Seifert Systems

50 Jahre Schaltschrankklimatisierung

Vergangenheit und Zukunft der Schaltschrank-Klimatisierung

Seifert Systems erkannte schon frühzeitig die Notwendigkeit, Elektronik im industriellen Umfeld auf einem gleichmässig niedrigen Temperaturniveau zu halten und entstehende Verlustwärme sicher abzuführen. Denn eine Erhöhung der Betriebstemperatur um nur 10°C verkürzt die Lebensdauer der Elektronik bereits um fast die Hälfte. Starke Temperaturschwankungen und Feuchtigkeitsbildung im Schaltschrank bedeuten ebenfalls hohen Stress für die installierten elektronischen Bauteile, was in der Summe schneller zu Ausfällen führt.

 Seifert Chiller (Bild: Seifert Systems Ltd.)

Seifert Chiller (Bild: Seifert Systems Ltd.)


Herr Seifert, können Sie uns eine kleine Einführung in die Historie Ihres Unternehmens geben?

Michael Seifert: Seifert Systems ist ein deutsches Unternehmen, welches mein Vater Rolf Seifert 1965 in Schwelm/Westfalen gegründet hat. Er hatte die Notwendigkeit erkannt, die damals auch im industriellen Umfeld zunehmend eingesetzte Elektronik auf einem gleichmässig niedrigen Temperaturniveau zu halten und entstehende Verlustwärme sicher abzuführen. Eine Besonderheit von Seifert Systems ist daher die Tatsache, dass wir das einzige Unternehmen in der Gehäuseklimatisierung sind, das sich aus der Komponentenklimatisierung entwickelt hat. Begonnen haben wir mit Kühlkörpern, die wir teilweise noch heute herstellen. Der nächste Schritt war die forcierte Kühlung mit Lüftern, es folgten die Gehäuseklimatisierung und schließlich die Systemklimatisierung.

In den zurückliegenden fünf Jahrzehnten haben Sie sich zu einem international agierenden Unternehmen entwickelt. Wie kam es dazu?

Seifert: In der Tat. Wir sind heute in der Lage in jedem Land, in dem unsere Kunden tätig sind einen entsprechenden Service anzubieten. Wir haben sehr früh begonnen unsere Produkte weltweit zu vermarkten.

1990 wurde dann der erste ausländische Produktionsstandort in den USA gegründet, der ursprünglich ausschließlich nur für den amerikanischen Markt produzierte. Heute haben wir fünf eigene Standorte, nähmlich in Deutschland, Malta, USA, Schweiz und Australien. Insgesamt beschäftigen wir annähernd 300 Mitarbeiter. In Malta fertigen wir die Gehäuseklima- technik, und in Deutschland die Systemklimatechnik. Darunter verstehen wir große Kühlsysteme wie Rückkühler, Chiller oder Flüssigkeitskühlgeräte.

Können Sie das Produktsortiment von Seifert Systems kurz umreißen?

Seifert: Also kurz gesagt stellen wir Klimatisierungsgeräte her von ganz klein bis ganz groß. Konkret heißt das Luft- und Flüssigkeitskühlgeräte von 50W bis 50 kW Kühlleistung, sowie Heizlüfter. Außerdem stellen wir Geräte zum belüften, regeln und entfeuchten her.

Sie haben sich auf den Bereich Kühlsysteme spezialisiert. Wollten Sie nie auch den passenden Schaltschrank dazu liefern?

Seifert: Das ist eine ganz wichtige Frage, die ich mit einem klaren Nein beantworten kann. Der Grund dafür ist sehr einfach: Wir wollen unseren Kunden nie als Wettbewerber begegnen. Das ist ein Grundsatz, der schon von meinem Vater aufgestellt wurde und dem wir uns aus guten Grund verpflichtet fühlen.

Wofür steht Seifert Systems heute?

Seifert: Seifert Systems steht für innovative kundenspezifische Lösungen. Wir zeichnen uns dadurch aus, dass wir so flexibel sind, dass wir kundenspezifische Anforderungen entweder auf Basis des Standardprogramms oder auch als komplette Neuentwicklungen realisieren können. Natürlich liefern wir auch Standardgeräte ab Lager, aber drei Viertel unserer Produkte werden kundenspezifisch hergestellt. Darüber hinaus verstehen wir uns seit jeher als Technologievorreiter der Branche. Um einige Beispiele zu nennen: Die echte Filterlosigkeit von Kühlgeräten haben wir bereits 1982 eingeführt. Vergleichbare Lösungen des Wettbewerbs gibt es bis heute nicht. Unser erstes Kühlgerät hatte 1982 bereits eine elekktronische Regelung integriert – auch hier hatten wir ca. 20 Jahre Vorsprung gegenüber anderen Unternehmen. Als eines der ersten Unternehmen haben wir energieeffiziente drehzahlgeregelte Kühlgeräte gebaut. Bereits Anfang der neunziger Jahren haben wir alternative Kältemittel – Propan/Isobutan – in unseren Kühlgeräten eingesetzt. Für diese Geräte haben wir übrigens damals den blauen Umweltengel erhalten. Wir haben in der Branche immer gezeigt ‚wo die Reise hingeht‘ und ich kann Ihnen versprechen, dies wird auch in Zukunft der Fall sein.

Welche Trends sehen Sie derzeit im Bereich der Schaltschrankklimatisierung?

Seifert: Dort sehe ich derzeit drei Trends: Trend Nummer 1: In der Elektronik geht die Entwicklung zu immer höheren Leistungsdichten ungebremst weiter. Die Folge davon ist, dass immer mehr Kühlleistung auf kleinstem Raum benötigt wird. Mit Sicherheit wird die konventionelle Luftkühlung nicht mehr ausreichen, um dieser Entwicklung zu begegnen. Statt dessen werden Anwender vermehrt flüssigkeitsbasierte Kühllösungen einsetzen müssen. Trend Nummer 2: Die Energieeffizienzanforderungen sind einer der bedeutendsten Einflussfaktoren bei der Entwicklung von Kühlgeräten. Was heute in der Raumklimatisierung selbstverständlich ist, nämlich drehzahlgeregelte also Inverterbasierende Geräte, steht in der Industrie gerade erst am Anfang. Trend Nummer 3: Kühlgeräte – selbst sehr einfache – werden in Zukunft komplett integriert in die Gesamtsteuerung eines Prozesses bzw. einer Maschine oder Anlage. Damit können Anwender Stillstandszeiten reduzieren, Maschinenlebenszeiten verlängern und Wartungsaufwändungen durch Vorausfallmeldungen reduzieren. Für Anwender ist das sicher ein ganz wichtiger Punkt, denn hier können sie richtig Geld sparen.

Das heißt, dass das Kühlgerät intelligent wird?

Seifert: Davon bin ich überzeugt, denn die Anwender haben viele Vorteile davon: Wenn der Prozess dem Kühlgerät seinen Zustand mitteilt, kann das sich sehr positiv auf die Energieeffizienz auswirken. Anders herum ist es wichtig, dass die Geräte ihren Zustand an die Maschine bzw. dem Prozess melden, denn so können Service- und Wartungsarbeiten klug geplant werden. Auch die Überwachung des eigenen Stromverbrauchs ist eine wichtige Funktion. Diese Intelligenz der Kühlgeräte wird in wenigen Jahren in der Industrie zum Standard gehören – immer unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit betrachtet. Von uns aus ist das alles schon heute realisierbar.

Was würden Sie als Kernkompetenz von Seifert System beschreiben?

Seifert: Wir sind für unsere Kunden heute ein Systempartner. One Stop Shop, wie man heute so schön sagt: Von der eigentlichen Projektidee bis zur Realisierung erhält er bei uns alles aus einer Hand, übrigens inklusive Service und – am Ende des Lebenszyklus – der Rücknahme und Entsorgung des Gerätes. Bei uns bekommt man auch nach 20 Jahren noch ein Ersatzteil für sein Kühlgerät. Aber um das noch einmal zu betonen: Von der Entwicklung über die Fertigung bis hin zum Service haben wir die Kompetenz vollumfänglich im eigenen Hause. Ich glaube das zeichnet uns aus.

Kundenspezifische Lösungen sind also eine der Spezialitäten von Seifert Systems?

Seifert: Klares Ja! Die Fähigkeit kundenspezifische Lösungen anzubieten ist für uns ein ganz wichtiger Punkt. Wir machen das was der Kunde braucht und verkaufen ihm nicht vor allem das, was wir gerade im Katalog haben: Wir hören zu, wir entwickeln mit dem Kunden, wir lernen mit den Kunden und wir lassen uns vom Kunden auch gerne in neue Technologien treiben. Das ist ein Grund für die hohe Innovationsrate von Seifert Systems. Das beginnt mit ganz banalen Dingen wie der Änderung der Lackierungen von Standardgeräten über bestimmte Ausbrüche, Anpassungen an der Elektronik bis hin zur kompletten Einzelentwicklung im Kundenauftrag.

Welche Produktneuheiten wird Ihr Unternehmen zur Hannover Messe zeigen?

Seifert: Zur Hannover Messe zeigen wir auf unserem Stand in Halle 11, Stand E25 unter der Bezeichnung Solitherm ComPact Outdoor eine komplett neue NEMA 4 Outdoorkühlgeräte Serie. Diese hat je nach Anforderungen eine Kühlleistung von 500W bis 4kW. Sie ist mit unserer neusten Steuerung ausgerüstet, welche kontinierlich die voreingestellte Schaltschranktemperatur überwacht und je nach Aussentemperatur und Verlustleistung die Kühlung bzw. Heizung komponentenschonend zu oder ab schaltet. Darüber hinaus zeigen wir eine neue Familie von LED-Schaltschrankleuchten.

Seifert Systems
Bild: Seifert Systems Ltd.


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