VDMA: Nullwachstum ist ein Weckruf an die Politik

Die Maschinen- und Anlagenbauer in Deutschland werden das Jahr 2015 zwar auf einem hohen Niveau, jedoch mit einem Nullwachstum abschließen. In den ersten zehn Monaten sank die reale Produktion von Maschinen und Anlagen um 0,5 Prozent. Für 2015 rechnet der VDMA mit einem nominalen Produktionsvolumen von 199 Milliarden Euro. Auch für das kommende Jahr erwartet der Verband  kein reales Wachstum in der Maschinenbauindustrie. In nominaler Betrachtung könnte der Produktionswert aber 2016 die Marke von 200 Milliarden Euro erstmals leicht überschreiten. Angesichts vieler aktueller Krisenherde, die auch das Geschäft im Maschinenbau global beeinträchtigen, sowie der Investitionszurückhaltung im Inland wertet der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau dies durchaus als Erfolg – aber nicht als beruhigendes Zeichen, betonte der VDMA-Präsident Dr. Reinhold Festge (Foto) auf der Jahrespressekonferenz des Verbandes am Donnerstag in Frankfurt.


„Mit großer Sorge sehen wir zu viel gefühlte Sicherheit und zu wenig Vorbereitung auf das Morgen in Deutschland. Unsere Null ist daher weder schwarz noch rot, unsere Null ist ein Weckruf: Liebe Regierung, unternehmt endlich etwas!“, erklärte Festge. Nötig wären zum Beispiel ein Ausbau der digitalen Infrastruktur, ein flexiblerer Arbeitsmarkt, eine steuerliche Forschungsförderung und eine Handelspolitik für neue Märkte.

Beschäftigung nochmals leicht gesteigert
Der Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland ist auch 2015 der größte industrielle Arbeitgeber des Landes geblieben. Seit Beginn des Jahres wurden hierzulande nochmals mehr als 10.000 Menschen zusätzlich eingestellt. Im September beschäftigte die Maschinenbauindustrie in Deutschland damit 1,019 Millionen Menschen – 0,3 Prozent mehr als im Vorjahr. „In den Unternehmen wurden wissensintensive Dienstleistungsbereiche ausgebaut, und der demografische Wandel schafft  Anreize, bewährte Mitarbeiter zu halten und qualifizierte Fachkräfte möglichst frühzeitig an sich zu binden“, erläuterte Festge.

China, Iran und Russland im Fokus
Angesichts eines insgesamt schwachen Weltwirtschaftswachstums beobachten die Maschinen- und Anlagenbauer die Entwicklungen in drei Schlüsselländern mit besonderer Aufmerksamkeit. Zwar konnten die Exporte der Maschinen- und Anlagenbauer in Deutschland in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres preisbereinigt noch um 0,8 Prozent auf 116 Milliarden Euro gesteigert werden. Für China erwartet der VDMA in diesem Jahr jedoch einen Rückgang der Ausfuhren um 5 Prozent auf gut 16 Milliarden Euro. Das Land bietet gleichwohl weiterhin große Chancen für den hiesigen Maschinenbau, der die steigenden chinesischen Anforderungen an Produktivität, Qualität und Ressourceneffizienz mit seinen Produkten und Lösungen bedienen kann. Rund 750 Tochterunternehmen oder Kooperationen von VDMA-Mitgliedsfirmen sind derzeit in China aktiv.

Im Iran wollen die Maschinenbauer aus Deutschland ihre traditionell guten Geschäftsbeziehungen wieder aufleben lassen, sobald die Sanktionen nach dem „Implementation Day“ gelockert werden. Für eine solche Belebung der Geschäfte muss die Bundesregierung nach Ansicht des VDMA allerdings die Personalstärke in der für Ausfuhren zuständigen Behörde Bafa erhöhen. „Die Behörde ist nach unseren Eindrücken schon heute überlastet“, mahnte Festge. Von den Banken erwartet der Verband, dass sie ihre restriktive Geschäftspolitik bei Zahlungen mit Iran-Bezug nun rasch ändern. Der VDMA wird seine Mitglieder vor Ort mit der Gründung eines VDMA-Büros in Teheran in der ersten Jahreshälfte 2016 unterstützen.

Das Geschäft mit Russland ist im abgelaufenen Jahr kräftig um 27 Prozent auf knapp 3,6 Milliarden Euro gesunken, allerdings konnten die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer ihren Marktanteil halten und bleiben wichtigster Technologielieferant. Die Konkurrenz aus China dagegen hat  Marktanteile verloren. „Wir akzeptieren selbstverständlich das Primat der Politik. Aber wir wünschen uns mehr Bemühungen seitens der Politik, die Sanktionen schrittweise wieder aufzuheben“, sagte der VDMA-Präsident.

Industrie 4.0 und „Zukunft der Arbeit“ gehen Hand in Hand
„Industrie 4.0 entscheidet sich im Maschinen- und Anlagenbau“, betonte Festge auf der Pressekonferenz. „Wir sind Anbieter und Anwender zugleich. Die Digitalisierung der Produktion – sowohl der Kunden als auch die eigene –  bietet dem Maschinenbau eine Perspektive, auch in zehn oder zwanzig Jahren noch führend auf dem Weltmarkt zu sein.“

Richtig sei, dass dabei teilweise einfachere Arbeitsplätze verloren gehen können. Aber eine zunehmende Automatisierung bringe nicht nur höherwertige Arbeitsplätze mit sich, sondern hat in der Vergangenheit stets auch für einen Stellenaufbau gesorgt. „Wir sind überzeugt, dass diese Erkenntnis auch für Industrie 4.0 zutrifft, wenn man am Ende einer Dekade Bilanz ziehen wird“, betonte der VDMA-Präsident. Wichtig dabei sei allerdings, dass Werk- und Dienstverträge weiterhin hinreichend flexibel genutzt werden können.

Der VDMA hat jüngst ein Competence Center Arbeitsmarkt mit dem Schwerpunkt „Zukunft der Arbeit“ gegründet, „weil wir der Überzeugung sind, dass sich auch auf diesem Feld der künftige Erfolg des Maschinenbaus entscheiden wird“, sagte Festge.

VDMA: Nullwachstum ist ein Weckruf an die Politik
Bild: VDMA e.V.


Das könnte Sie auch interessieren

Smarte Lösungen für den Verkehrsfluss

Im ‚Logistics Performance Index‘ der Weltbank lag Deutschland 2016 auf Rang eins. Spitzenpositionen in den Bereichen Infrastruktur sowie Logistikqualität und Kompetenz führten zu diesem herausragenden Ergebnis. Dabei ist die Grundlage für einen reibungslosen Ablauf im Güter- und Personenverkehr ein flüssiger und ungestörter Datenstrom. Um diesen sicherzustellen, hat Eldon eine Schaltschrankreihe entwickelt, die Schaltanlagen an der Strecke und an den Kommunikationsknotenpunkten vor Vandalismus und Wetterkapriolen schützt.

Fachkonferenz Steuerungs- und Schaltanlagenbau im Wandel

Wie viele andere Lebensbereiche, so berührt die fortschreitende Digitalisierung auch den Steuerungs- und Schaltanlagenbau in ganz erheblichem Maße. Im Rahmen einer zweitägigen, vom Süddeutschen Verlag Veranstaltungen in Kooperation mit dem SCHALTSCHRANKBAU ins Leben gerufenen Fachkonferenz in Frankfurt am Main, erörterten Experten aus Forschung, Wirtschaft und Schaltanlagenbau die Auswirkungen dieser einschneidenden Entwicklungen.

Leinen los

Vor kurzem hat die renommierte Meyer Werft in Papenburg ein neues Kreuzfahrtschiff abgeliefert. Mit an Bord sind Verdrahtungsrahmen, Netzteile sowie zig Kilometer Leitungen von Lütze. Sie helfen mit, die Erlebnisreisen eindrucksvoll zu illuminieren.

Anzeige
Zukunft der Energieverteilung im Fokus

Auch dieses Jahr hat Ormazabal mit seiner Techniktagung Experten aus dem Bereich der Energieverteilung wieder ein Fachforum geboten. Unter dem Motto ‚flexible und pragmatische Lösungen für die Energieverteilung der Zukunft‘ hatte der Mittelspannungsspezialist Kunden und Partner Mitte Mai nach Leipzig eingeladen. Durch die Neugestaltung der Netze ändern sich die Ansprüche an die Energieverteilung. Die Teilnehmer nutzten die Veranstaltung, um daraus resultierende Fragestellungen zur Energieversorgung zu erörtern.

Anzeige
Wago China feiert 20-jähriges Jubiläum

Der chinesische Standort der Wago-Gruppe feierte sein 20-jähriges Jubiläum mit zahlreichen Gästen aus Wirtschaft und Politik. „Seit seiner Gründung 1997 ist Wago China sehr erfolgreich gewachsen und gehört heute zu den größten und bedeutendsten Produktionsstandorten der ganzen Unternehmensgruppe“, so CSO Jürgen Schäfer während der Feierlichkeiten, die auch die Grundsteinlegung für den nunmehr vierten Bauabschnitt des 28.000m² großen Werks umfassten.

ZVEI: Welt-Elektromarkt wächst auch dieses und nächstes Jahr

Der Ausblick auf den Welt-Elektromarkt verspricht weiteres Wachstum. „Für das laufende Jahr sowie auch für 2018 gehen wir jeweils von einer vierprozentigen Steigerung aus“, sagt ZVEI-Chefvolkswirt Dr. Andreas Gontermann. Damit bleibe die Wachstumsrate eines der größten Industriegütermärkte der Welt stabil.

Maschinenbau erhöht Produktionsprognose für 2017

Im Mai hat der Auftragseingang sein Vorjahresniveau deutlich um real 17% übertroffen und damit ein klares Signal gesetzt. „Die Stimmung in den Unternehmen ist ausgesprochen gut. Alles steht bereit für einen neuen Aufschwung“, sagt VDMA-Chefvolkswirt Dr. Ralph Wiechers. Der Verband erhöht daher seine Jahresprognose für die reale Maschinenproduktion in Deutschland von bisher plus 1% (Stand Oktober 2016) auf plus 3%.

62% der Teilnehmer einer weltweiten Umfrage von Capgemini und Brian Solis sehen die Unternehmenskultur als eines der größten Hindernisse auf dem Weg zu einer digitalen Organisation. In Deutschland liegt der Wert mit 72% sogar leicht darüber. Damit riskierten die Unternehmen, im derzeitigen Digitalisierungsumfeld gegenüber ihren Wettbewerbern zurückzufallen.

Fast alle Anlagen, die beim Sondermaschinenbauer Trebbin Technik entstehen, sind maßgefertigte Einzelstücke. Denn bei den Automatisierungslösungen für unterschiedlichste Branchen sind Flexibilität und Erfindungsreichtum gefordert. Das Eichstätter Unternehmen verbaut, was der Kunde fordert. Immer öfter kommen dabei Wago-Automatisierungs- und Verbindungstechnik zum Einsatz.

DIN und die vom VDE getragene Normungsorganisation DKE fördern ab jetzt innovative Projekte aus den Bereichen Industrie 4.0, Smart Mobility, Sichere Digitale Identitäten, Smarte Textilien, Ageing Societies und elektrische Sicherheit mit dem Programm DIN-Connect. Der Fokus richtet sich dabei auf die Normung und Standardisierung.