Gewusst wie!

Die konsequente Umsetzung von Normen und Richtlinien als Grundlage für einen sicheren und effizienten Schaltschrankbau

Sind Produkte perfekt aufeinander abgestimmt, vereinfachen sich Planung und Durchführung für den Schaltschrankbauer wesentlich. Letztendlich ist aber nicht nur die reine Geräte-Hardware entscheidend, sondern auch das nötige Know-how etwa zum Erfüllen von Normen und neuen Richtlinien. Datendurchgängigkeit, clevere Tools, einfache Dokumentationserstellung helfen zudem beim Optimieren des Engineering-Prozesses beim Schaltschrankbau und steigern die Effizienz.

Die Elektrotechnik unterliegt einem stetigen Wandel, was auch die Schaltschrankbauer in ihrem Berufsalltag zu spüren bekommen. Ein Beispiel für solche Veränderungen sind die neuen EU-Richtlinien, die ab 20.04.2016 greifen.

Umsetzen der neuen EU-Richtlinien – eine Herausforderung!

Die Übergangsfrist von den bisherigen Richtlinien auf die neuen Regelungen endet am 20.04.2016. Deshalb stellt die konsequente Umsetzung der neuen Richtlinien, die sich am New Legislative Framework (NLF) orientieren, für Schaltschrankbauer eine entsprechende Herausforderung dar. Acht neue Richtlinien sind davon betroffen, unter anderem die Niederspannungsrichtlinie, die Atex(Atmosphères Explosibles)-Richtlinie sowie die EMV(Elektromagnetische Verträglichkeit)-Richtlinie. Gerade diese bedürfen von Seiten der Schaltschrankbauer besonderer Aufmerksamkeit, weil sie relevant für unzählige Elektronikprodukte beziehungsweise nahezu alle Produkte mit einer Betriebsspannung zwischen 50 und 1.000 Volt (AC) sowie 75 und 1.500 Volt (DC) sind – also auch für komplette Schaltschränke. Die Zielsetzung des NLF, die zur Modernisierung der Richtlinien geführt hat, ist die Vereinheitlichung und Präzisierung gegenüber der EG-Verordnung 765/2008 bezüglich Begrifflichkeiten, Inverkehrbringen von Produkten, genaueres Darstellen von Hersteller, Importeur und Händler sowie Stärken der Marktüberwachung. Letzteres führt unter anderem zu klarer formulierten Produktanforderungen.

Wichtige Neuerungen bei EU-Richtlinien ab April 2016

Ein wesentlicher Aspekt der neuen EU-Richtlinien liegt im Bereich der Konformitätserklärungen. Ab 2016 ist es vorgesehen, nur noch eine Konformitätserklärung pro Produkt zu erstellen. Diese deckt dann alle zutreffenden Richtlinien ab. Fallen Produkte unter die Atex- oder Messgeräte-Richtlinie, muss die Erklärung dem Produkt beigelegt werden – die Niederspannungsrichtlinie lässt dies offen. Der Siemens-Konzern beispielsweise stellt die Konformitäts-erklärungen seiner Geräte unter anderem über den CAx-Download-Manager im Internet zur Verfügung. So können diese bequem mit weiteren produktbezogenen Daten wie Zeichnungen, Maßen, Bildern und technischen Daten für den Einsatz in CAD- und CAE-Systemen heruntergeladen werden. Der Einsatz dieses Supporttools spart bis zu 80 Prozent Zeit innerhalb des gesamten Engineering-Prozesses und unterstützt Schaltschrankbauer dabei, die geforderte Dokumentation umfassend zu erfüllen.

Steigende Anforderungen an die Dokumentation

Was mit den neuen EU-Richtlinien im kommenden Jahr Einzug hält, hat sich an anderer Stelle bereits etabliert. So wurde vor einigen Jahren die Norm EN (IEC) 60439 einer radikalen Revision und Umstrukturierung unterzogen. Seit etwa einem Jahr ist nun die neue Norm für Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen EN (IEC) 61439 allein gültig. Auch mit dieser Normänderung wurden die Anforderungen klarer formuliert. Gleichzeitig ergaben sich neue Pflichten für Schaltschrankbauer im Bereich der Nachweisführung. Besonders das Erbringen des Bauartnachweises hinsichtlich der Kurzschluss-festigkeit ist in der Praxis mit einem gewissen Aufwand verbunden. Deswegen unterstützt Siemens hier mit Kurzschluss-werten, zum Beispiel für die Sentron Kompaktleistungsschalter 3VA, den Leistungsschaltern aus dem Sirius Systembaukasten und dem umfangreichen Portfolio an Sicherungen.

Damit Schaltschrankbauer stets auf der sicheren Seite sind, leistet der Automatisierungsausrüster auch jenseits der Produkte einen Beitrag zum Erfüllen dieser und anderer Normen. In Workshops und individueller Beratung informiert das Unternehmen darüber, was beim Planen und Bau von Schalt- und Steuerschränken, den europäischen Richtlinien und IEC-Normen beachtet werden muss. Neben praktischen Tipps für die Projektierung erfahren die Teilnehmer unter anderem, welche Normen und Richtlinien wann greifen. Beispielsweise geben die Siemens-Experten Empfehlungen, welche Norm für Maschinensteuerschränke bevorzugt zu behandeln ist: etwa die oben genannte EN (IEC) 61439-1/2 (Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen) oder die EN (IEC) 60204-1 (Sicherheit von Maschinen).

In der zunehmend globalisierten Welt sehen sich Schaltschrankbauer immer häufiger damit konfrontiert, auch Märkte außerhalb Europas bedienen zu müssen. Besonders schwierig wird es, wenn die Einhaltung von nordamerikanischen Normen gefordert wird, die sich zum Teil stark von den IEC-Normen unterscheiden. Es betrifft etwa die UL 508A von den UL= Underwriters Laboratories, die NFPA 79 von der NFPA = National Fire Protection Association oder die der CSA = Canadian Standards Association. Wer in Richtung USA exportieren will, braucht das vorausgesetzte Fachwissen über diese Normen und Vorschriften, um seine Maschinen und Anlagen ohne Probleme dort in Betrieb nehmen zu dürfen. Oft sind es nur Kleinigkeiten, die über „Run“ oder „Stopp“ entscheiden. Vorteilhaft ist es, wenn Komponentenhersteller nicht nur die Produkte bieten, die nach den dortigen Standards zertifiziert sind, sondern darüber hinaus auch über den normengerechten Einsatz der Produkte Auskunft geben können. Seit mehreren Jahren bieten Siemens-Experten Trainingskurse und umfangreiche Unterlagen in diesem Bereich an. Besonders beliebt ist der Leitfaden „Schaltschränke und elektrische Ausrüstung von industriellen Maschinen für Nordamerika“, der bei der praktischen Anwendung unterstützt und im Internet kostenlos verfügbar ist.

Moderne Antriebstechnik verändert den Schaltschrankbau

Wie sehr es sich auszahlt, einen in Normenthemen versierten Partner an seiner Seite zu haben, zeigte sich auch Anfang 2015, als die hocheffizienten IE3-Motoren EU-weit zur Pflicht im Netzbetrieb wurden. Der Automatisierungsausrüster hatte bereits im Vorfeld jahrelang das veränderte Anlaufverhalten von IE3-Motoren der unterschiedlichsten Hersteller analysiert. Dabei wurden nicht nur theoretische Hochrechnungen angewandt, sondern in zahlreichen Testreihen eine Vielzahl von Motoren ausgemessen. Als Konsequenz wurden die Siemens-eigenen Schaltgeräte so optimiert, dass sowohl die Schalt- als auch die Schutzfunktionen für die bisherigen und neuesten Motorengenerationen sichergestellt sind. Schaltschrankbauer können sich also darauf verlassen, dass beim Einsatz von Produkten aus dem Sirius Systembaukasten der Kurzschlussschutz so optimiert wurde, dass zwischen dem sogenannten Inrush-Strom der Motoren – dem „Normalfall“ – und dem Kurzschluss – dem „Störfall“ – differenziert werden kann.

Mehr Effizienz durch Daten auf Knopfdruck

Dies zeigt beispielhaft, dass fundiertes Wissen seitens der Gerätehersteller zusehends wichtiger wird – sei es aus dem Blickwinkel der Technik betrachtet oder auch der Norm. Als Partner des Schaltschrankbaus sieht sich der Automatisierungsausrüster aber nicht nur als reiner Vermittler von Normen- und Produktwissen: „In unseren Workshops und Beratungsgesprächen lernen wir auch viel über die Prozesse unserer Kunden im Schaltschrankbau“, erklärt Martin Berger, Applikationsberater für nordamerikanische und IEC-Normen bei Siemens. Er berichtet weiter: „ Es kommen auch jede Menge Anregungen, was wir an unserem Angebot noch verbessern können. Diese werden natürlich an die Kollegen im Produktmanagement weitergegeben. Denn schließlich ist unser oberstes Ziel, unsere Kunden bestmöglich bei den Herausforderungen ihres Arbeitsalltags zu unterstützen.“ Diese Herausforderungen sieht Berger vor allem im zunehmenden Zeit- und Kostendruck: „Alles, womit sich der Prozess effizienter gestalten lässt, hilft unseren Kunden, Zeit und damit bares Geld zu sparen.“

Konsequent setzt der Siemens-Konzern deswegen bei der Einführung neuer Produkte darauf, die Produktauswahlzeit für den Kunden zu reduzieren. Dazu tragen online verfügbare Konfiguratoren bei, die selbst die Auswahl variantenreicher Innovationen mit viel Zubehör intuitiv und komfortabel gestalten. Beispiele hierfür sind etwa die Befehls- und Meldegeräte Sirius Act oder die neuen Kompaktleistungsschalter 3VA. Hat man sich für eine Variante oder einen kompletten Warenkorb entschieden, stehen für das automatisierte mechanische und elektrotechnische Engineering umfangreiche Daten auf Knopfdruck und ohne aufwändige Suche bereit. Diese können in alle gängigen Planungs- und Projektierungstools eingebunden werden – ein weiterer Schritt zu mehr Effizienz!

Mit dem Wissen des Zulieferers stets auf dem neuesten Stand

Siemens unterstützt Schaltschrankbauer auf vielseitige Art und Weise – sei es mit Produkten, Systemlösungen oder auch mit Know-how, Services und Softwaretools. Entscheidend ist, dass die geltenden Normen/Richtlinien bereits erfüllt werden. Entsprechende Anpassungen führt der Automatisierungsausrüster bei seinen Produkten frühzeitig durch und bietet für sämtliche Belange kompaktes Wissen sowie Unterstützung in Form von Weiterbildung, Workshops, Online-Hilfen und Softwaretools. Damit sind Anwender in der Lage, die Veränderungen im Schaltschrankbau zu meistern und sichere, wirtschaftliche sowie leistungsfähige Elektrotechnik zu entwickeln.

Normen für Schalt- und Schutzgeräte
Bild: Siemens AG


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