185mm-Sammelschienensystem von Wöhner

Und wie wirkt sich 185Power auf den Platzbedarf im Schaltschrank aus?

Steinberger: Gerade da liefert unser System wichtige Vorteile: Da die Schienenträger mit allen Komponenten des Systems 185Power überbaut werden können, wird der Platz im Schaltschrank effizient genutzt. Die Einspeisung kann wahlweise über Einspeisemodule mit Klemmentechnik, eine NH-Sicherungslasttrennleiste oder über Adapter mit Leistungsschalter erfolgen. Die Einspeisemodule ermöglichen den Anschluss von Rundleitern, Kabelschuhen und Flachleitern.

Montagezeiten sind heute eine sensible Größe. Was bietet 185Power an Zeitersparnis?

Steinberger: Die Optimierung hinsichtlich der Montagezeit steckt in unzähligen Details, einige davon haben wir ja schon besprochen. Ein weiteres Beispiel für die Durchdachtheit und Zeitersparnis duch unser Systems ist die Montage der Lasttrennleisten auf der Sammelschiene. Sie erfolgt als Version CrossLink bohrungslos, ohne dass die Leiste dabei zu zerlegen ist. Die Klemmen werden einfach durch das Klappfenster befestigt. Da dieses aufgeklappt ausgeliefert wird, verkürzt sich die Montagezeit noch weiter. Natürlich lassen sich die Lasttrennleisten alternativ noch immer in vorgebohrte Sammelschienen schrauben.

Mit dem Systemadapter für Leistungsschalter haben Sie sich etwas ganz besonderes einfallen lassen.

Steinberger: Ja, das ist wirklich eine tolle Lösung: Bisher mussten Anlagenbauer auf die spezifischen Ausführungen der Leistungsschalter der verschiedenen Hersteller mit teuren, zeitintensiven und komplizierten Lösungen reagieren. Die aufwändigen Sonderlösungen waren durch die unterschiedlichen Abmessungen, Phasenteilungsmaße sowie Geometrien der Anschlussfahnen erforderlich. Für das System 185Power haben wir einen Adapter entwickelt, der es ermöglicht, Leistungsschalter aller bekannten Hersteller, wie ABB, Eaton, Schneider oder Siemens, auf der Sammelschiene zu kontaktieren. Bei gleicher mechanischer Abmessung ist der Adapter durch individuelle Kupferbestückung in verschiedenen Ausführungen für 630, 800, 1.000, 1.250 und 1.600A verfügbar. Die reduzierte Variantenvielzahl spart nicht nur Kosten, sondern vermeidet auch Fehler im Produktionsprozess.

Können Sie uns einen kleinen Einblick in das Zubehör zu dem System geben?

Steinberger: Gerne, denn wir bieten auch hier eine Palette, die dem Betreiber viel Komfort bieten. Dazu gehört beispielsweise ein rückseitig einzubringender Stromwandler, eine elektronische oder elektromechanische Sicherungsüberwachung, die über Meldekontakte mit einem Leitstand verbunden sein können, sowie eine LED-Sicherungsausfallanzeige. Hierdurch wird dem Anwender der Status seiner Anlage auch in schwierigen Umgebungsbedingungen deutlich angezeigt. Dies ermöglicht eine einfachere Anlagenwartung. Ein weiterer Schritt ist die Integration eines Energiemanagementsystems, das eine exakte Analyse der Leistungsaufnahme ermöglicht und als Schnittstelle für eine Buskommunikation dient.

Für die neuen Sicherungslasttrennschalter in Leistenbauform hat Wöhner ein neues Belüftungs- und Isolationskonzept entwickelt. Können Sie uns dieses kurz erklären?

Steinberger: Unser Ziel war es, die beim Betrieb der Lasttrennleiste entstehende Wärme besser abzuführen. Dafür lässt der seitliche Belüftungskanal bei der thermisch anspruchsvollen Anreihung der Leisten zwischen den Geräten einen Belüftungskanal entstehen. Dieser sorgt für eine Luftzirkulation und eine verbesserte Wärmeabfuhr. Zudem wurde die Leiste im Inneren in eine Belüftungs- und eine Isolationsfunktion unterteilt, was sowohl für eine effiziente Umströmung der NH-Sicherungen als auch für die Abschottung zwischen den Phasen sorgt. Das Konzept gewährleistet, dass die Schaltgase im Fall eines Schaltens unter Last zielgerichtet und von dem Belüftungskanal isoliert abgeleitet werden. Diese effizienten Be- und Entlüftungskonzepte ermöglichen es, den Platz im Schaltschrank effizienter zu nutzen, da der Anwender nun kompakter bauen kann. Außerdem schonen die Produkte durch ihre guten elektrischen Eigenschaften sowie den optimieren Kupfereinsatz Ressourcen und Umwelt.

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Klassischerweise wird bei der Planung des Schaltschrankbaus für jeden Auftrag projektbezogen gearbeitet, also keine bereits vorhandenen Vorlagen benutzt. Durch den Einsatz von CAE-Systemen wird funktionales Konstruieren ermöglicht, also die Unterteilung des Schaltschranks in funktionale Einheiten, auf welche man bei neuen Aufträgen, je nach gewünschter Funktion seitens des Auftraggebers, zurückgreifen kann. Damit lässt sich der Prüfaufwand reduzieren, da bereits geprüfte funktionale Einheiten zum Einsatz kommen. Ein Beispiel für die Erstellung einer funktionalen Einheit sei der Kompressor der Werkzeugaufnahme spanender Maschinen. Hierfür sind Drucksensoren, I/O- Klemmen und Spannungsversorgung nötig. Diese Einheit wird inkl. des internen Stromlaufplans entworfen, geprüft und kann standardisiert in Folgeprojekten eingesetzt werden. Firmen, die auf diese Arbeitsweise zurückgreifen, berichten von bis zu 44 Prozent Zeitersparnis bei der Planung und Entwicklung neuer Schaltschränke gegenüber einer jeweils auftragsbezogenen Neuplanung. Ein weiterer Vorteil beim Einsatz funktionaler Einheiten und allgemein einer bereits bestehenden Komponentenbibliothek ist die Zeitersparnis und Vereinfachung beim Erstellen eines Angebots für den Kunden. Als Beispiel für eine Softwarelösung zur Angebotserstellung sei Eplan Cogineer genannt. Das Programm bietet die Auswahl von verschiedenen Funktionseinheiten eines Schaltschranks und einfach auszuwählende Sonderwünsche wie die Große von Motoren oder speziellen thermischen Schutz. Auf einer niedrigschwelligen Ebene kann so in kurzer Zeit und auch von Mitarbeitern ohne vertiefte Fachkenntnisse ein Angebot für einen Schaltschrank erstellt werden, welches eine ausreichende Kalkulationsgrundlage darstellt. Diese Standardisierungsansätze haben ihre Grenzen durch eine hohe Optionsvielfalt im Schaltschrankbau und durch den Sonderanteil sowohl der Funktionen als auch der benötigten Bauteile.

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