Prozess-Kosten sparen mit eCl@ss

Produktstammdaten im Engineering

Ein mittelständischer Maschinenbauer benötigt etwa 4.000 unterschiedliche Produkte der Elektro- und Automatisierungstechnik. Durch Innovationen und Kundenanforderungen kommen ca. ein Prozent neue Produkte jeden Monat hinzu. Diese Produkte sind von diversen Herstellern, die zu den Produkten meistens ausschließlich die kommerziellen Materialstammdaten in unterschiedlichen Formaten zur Verfügung stellen. Die erforderlichen technischen Daten für das elektrotechnische Engineering für Berechnungen oder Zeichensymbole sind darin meistens nicht enthalten und werden mühsam manuell aus Katalogen ermittelt bzw. erstellt.

Der Aufwand für diese Erstellung ist erheblich. Je nach Komplexität des Produktes benötigt ein Konstrukteur zwischen zwei und acht Stunden für die Erstellung eines Stammdatensatzes für das Engineering in einem ECAD-System. Wenn aufgrund von Lieferzwängen unterschiedliche ECAD-Systeme vorgehalten werden müssen, multipliziert sich dieser Aufwand entsprechend, da die Systeme untereinander nicht kompatibel sind. Nutzt ein Unternehmer zusätzliche Automatisierungsmaßnahmen wie z.B. ein Bohr- und Bearbeitungszentrum, addieren sich dazu noch die Aufwände für die Datenbereitstellung. Jedes Unternehmen erstellt diese Stammdaten einzeln für sich. Volkswirtschaftlich ist dies eine Katastrophe. Dieser Aufwand ist zusätzlich eine Hemmschwelle andere Produkte einzusetzen, sodass innovative neue Produkte mehr Zeit benötigen, um sich am Markt zu etablieren. Für Hersteller der Produkte ist die Bereitstellung von Engineering-Daten eine kaum lösbare Aufgabe. Jedes ECAD-System hat ein anderes Format. Zusätzlich werden neben der Produktkenntnis auch Kenntnisse über die Darstellung in den entsprechenden ECAD-Systemen benötigt. Die Bereitstellung von Engineering-Daten ist damit für die Produkthersteller zeitaufwendig und teuer.

 eCl@ss sorgt für Informationsdurchgängigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette. (Bild: eCl@ss e.V.)
eCl@ss sorgt für Informationsdurchgängigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette. (Bild: eCl@ss e.V.)

Nutzung von Expertenwissen

Mit eCl@ss wird sich diese Situation in Zukunft grundlegend ändern. eCl@ss ist weltweit der einzige ISO/IEC-normenkonforme Industriestandard, der Produkte und Dienstleistungen eindeutig klassifiziert und zusätzlich mit Merkmalen beschreibt. So wird nicht nur ein Schütz als solches gekennzeichnet, auch seine Bemessungssteuerspeisspannung wird eindeutig beschrieben. Auf dieser Basis bildeten im Jahre 2007 Vertreter von namhaften Produktherstellern (z.B. Eaton, Moeller, Phoenix Contact, Siemens, Weidmüller), CAE/CAD-Systemhäusern (z.B. AmpereSoft, Aucotec, Eplan, Wscad, Zuken) und weitere Interessenten eine Fachgruppe im eCl@ss. Mit diesem Expertenwissen entstand eine CAx-systemunabhängige Beschreibung für Produkte in eCl@ss. Die Beschreibung ist nicht nur auf die Elektrotechnik beschränkt, sie berücksichtigt auch die anderen mit der Elektrotechnik verbundenen Technikbereiche wie z.B. Pneumatik oder Hydraulik. Die Ergebnisse der Fachgruppe wurden erstmals 2011 in der eCl@ss-Version 7 integriert und stehen als Teil von eCl@ss Advanced zu Verfügung. Das eCl@ss-Advanced-Format kann für ECAD-Systeme alle notwendigen Daten für eine vollständige Bauteilbeschreibung übertragen. Das heißt: Von den Bauteilstammdaten über die Symbolbeschreibung für den Stromlaufplan bis hin zur Beschreibung der Bauform für den Schaltschrankaufbau wird ein Bauteil komplett beschrieben. Damit entfällt ein großer Teil der Datenbeschaffung und Beschreibung in der ECAD-Bauteilbibliothek. Durch diesen Standard ist es möglich, dass jedes Produkt nur einmal klassifiziert wird und zwar von seinem Hersteller. Die Produktstammdaten einschließlich technischer Eigenschaften und nötiger Dokumente können so zuverlässig basierend auf einem Standard elektronisch an die Kunden übergeben werden. Wenn Kunde und Lieferant dieselbe Klassifizierung – hier eCl@ss – nutzen, können sie reibungsloser mit den Daten der Produkte arbeiten. Dieser Grundsatz gilt nicht nur für die CAE-Werkzeuge, er gilt für alle am Geschäftsprozess beteiligten Anwendungen.

eCl@ss kann noch mehr

Zusätzlich zu der Erstellung von Produktdaten kostet die Suche nach dem richtigen Material sowie die Pflege und Verwaltung von mehrfach angelegten Materialstämmen viel Zeit und damit Geld. Nachdem ein Material angelegt wurde, lässt es sich in den Systemen oft weder kosteneffizient bündeln, ersetzen, noch wiederverwenden, da es hierfür häufig intern keine Regeln für die Beschreibung von Texten, Übersetzungen, technischen Eigenschaften und standardisierte Suchstrukturen gibt. eCl@ss deckt mit seinen ca. 39.000 Produktklassen und 16.000 Merkmalen den Großteil der gehandelten Waren und Dienstleistungen ab. Viele Branchenstandards (z.B. aus Elektroindustrie, Medizintechnik, Bauwesen, Papierwaren/Bürotechnik) suchen die Interoperabilität, um die Potenziale eines branchenübergreifenden Standards zu nutzen. Bildet eCl@ss die unternehmensweite Basis für die Klassifizierung und Beschreibung der Produkte, revolutioniert dies den Engineering-Prozess durch Informationsdurchgängigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Manuelle Tätigkeiten werden minimiert, systemunterstützte Anfrage- und Einkaufsprozesse für CAE- und ERP-Systeme werden möglich. Zudem schaffte eCl@ss hiermit die Voraussetzung für viele ‚Industrie 4.0‘-Anwendungen. eCl@ss ist die gemeinsame Sprache im Engineering.

Lernen Sie eCl@ss kennen

Auf der SPS/IPC/Drives 2014 in Nürnberg in Halle 6 Stand 213 stellen die Mitglieder der eCl@ss-CAx-Fachgruppe die Standardisierungsergebnisse vor. Auf den Ständen der CAE-Toolanbieter wird darüber hinaus die Anwendung des eCl@ss-Standards präsentiert. Messebesucher werden Anwendungen für Datenaustausch und Datenhaltung für das Engineering, Unterstützung der Nachweisverfahren zur IEC 61439-1 (z.B. Berechnung der Verlustleistung, Führen von Nachweisdokumenten), Generierung von Symbolen, Nutzung der Daten für Bohrautomation und Verdrahtungsrouting, Unterstützung bei Angeboten und Ausschreibungen kennenlernen).

Drucke diesen Beitrag
Produktstammdaten im Engineering
Bild: eCl@ss e.V.


Das könnte Sie auch interessieren

Das baden-württembergische E-Handwerk blickt zuversichtlich auf die kommenden Monate – bei unverändert stabiler Branchenkonjunktur auf hohem Niveau und starker Auftragslage. Dies ergab die aktuelle Konjunkturumfrage des Fachverbands Elektro- und Informationstechnik Baden-Württemberg.

Anzeige

Nach fünf Jahren Entwicklungszeit feiert Rittal auf der Hannover Messe 2018 die Premiere seines neuen Großschranksystems VX25. Rittal verspricht einen deutlichen Innovationssprung, der durch breites Erfahrungswissen und intensiven Kundendialog möglich war.

Anzeige

Seifert Systems führt mit seiner Modellreihe SoliTherm ComPact wirtschaftliche Kühltechnik zum Anbau oder Halbeinbau im Programm. Für einen annähernd wartungsfreien Betrieb sind die Geräte mit einem nanobeschichteten hydrophoben Kondensator ausgestattet, der Effizienzverlusten durch Partikelanhaftungen wirkungsvoll vorbeugt.

Anzeige
Anzeige

Udo Niehage (Foto) ist seit dem 1. April 2018 CEO des VDE Prüf- und Zertifizierungsinstituts. Gleichzeitig übernimmt er die Gesellschafterfunktion für die Tochtergesellschaften des VDE-Instituts.

Das Thema Industrie 4.0 ist in aller Munde. Doch vielen Verantwortlichen in der Industrie ist bislang gar nicht klar, welchen durchschlagenden Einfluss die damit verbundenen, neuen Geschäftsmodelle auf ihre Aktivitäten haben. Um hier Licht ins Dunkel zu bringen, lädt Schneider Electric zur kostenfreien, halbtägigen Veranstaltung „Geschäftsmodelle 4.0: Chancen und Herausforderungen“ in die Niederlassung Marktheidenfeld ein. 

Nach vier rückläufigen Jahren hat 2017 eine Trendwende im Russland-Geschäft der Maschinenbauer aus Deutschland gebracht. Im vergangenen Jahr wurden Maschinen und Anlagen im Wert von 5,3Mrd.€ nach Russland verkauft – 22,5% mehr als im Vorjahr. Das Wachstum erfolgte auf breiter Front, Sanktionen und fehlende Strukturreformen dämpfen jedoch die Erwartungen.

Bei der digitalen Vernetzung von Industrie, Energie und Logistik verschwimmen Branchengrenzen, die Produktivität steigt, neue Geschäftsmodelle entstehen. Vom 23. bis 27. April 2018 können Besucher der Hannover Messe und Cemat in der niedersächsischen Landeshauptstadt in Augenschein nehmen, wie die nächste Stufe von Industrie 4.0 aussieht. „Das Zusammenspiel von Automatisierungstechnik, Plattformen und maschinellem Lernen hebt Industrie 4.0 auf die nächste Stufe“, sagt Dr. Jochen Köckler, Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Messe.

Murrelektronik erleichtert mit dem Online-Konfigurator Planern die Zusammenstellung eines individuellen Mico Pro. Das frei konfigurierbare System überwacht Last- und Steuerströme konsequent und erkennt rechtzeitig kritische Momente, signalisiert Grenzlasten und schaltet fehlerhafte Kanäle sicher ab.

„Was waren denn für dich die Produkt-Highlights deines Messebesuchs?“ Sicherlich wurde vielen von uns diese Frage so oder so ähnlich schon einmal gestellt – und sie war bisweilen aufgrund der spärlich vorhandenen wirklichen Innovationen nicht immer ganz leicht zu beantworten. Zumindest den Schaltanlagenbauern unter den Besuchern der Hannover Messe 2018 dürfte eine Antwort allerdings schnell über die Lippen kommen, denn für sie lohnt sich die Anwesenheit auf der weltweit größten Industriemesse in mehrfacher Hinsicht ganz besonders.

Die vollautomatischen Zeta-Kabelverarbeitungsmaschinen von Komax wurden nun um die neuen Zeta-640- und Zeta-650-Baureihen erweitert. Diese ermöglichen hochflexible Anwendungen für die Just-in-time-Verarbeitung bereits ab Losgröße 1.

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige