Interview mit Dr. Thomas Steffen, Geschäftsführer Forschung & Entwicklung bei Rittal

„Alles andere als eine gewöhnliche Entwicklung“

Im Interview mit dem SCHALTSCHRANKBAU erläutert Dr. Thomas Steffen die strategische Vorgehensweise bei der Entwicklung des neuen Großschaltschrankes, benennt seine persönlichen Lieblings-Features und sagt, wie es mit dem neuen System weitergehen wird.

?Der neue Schrank VX 25 wird ein lebendiges Produkt. Wir haben in der Entwicklung zahlreiche Ideen gesammelt, die wir noch nicht alle verwirklichen konnten?, bemerkt Dr. Thomas Steffen, Geschäftsführer Forschung & Entwicklung bei Rittal. (Bild: Rittal GmbH & Co. KG)

„Den Schaltschrankbauer bei seinen Arbeitsabläufen genau zu beobachten, war für uns ein Augenöffner“, bemerkt Dr. Thomas Steffen, Geschäftsführer Forschung & Entwicklung bei Rittal. (Bild: Rittal GmbH & Co. KG)

Die Herangehensweise bei diesem Entwicklungsprojekt des neuen Großschaltschrankes VX 25 war sehr breit angelegt. Ist dies eine übliche Vorgehensweise bei Rittal?

Dr. Thomas Steffen: Die Entwicklung des VX25 war alles andere als gewöhnlich. Als wir mit diesem Projekt vor fünf Jahren starteten, war uns sehr schnell klar, dass unsere Entwickler ihre Büros verlassen und den Kontakt zum Kunden suchen mussten. Im Vordergrund stand dabei nicht, die Schaltanlagenbauer zu befragen, welche Anforderung diese an einen neuen Schaltschrank haben, sondern sie bei ihren Arbeitsabläufen im Schaltschrankbau genau zu beobachten. Das war für uns ein Augenöffner. Eine weitere wichtige Idee kam von Dr. Friedhelm Loh, dem Eigentümer von Rittal. Er regte an, drei unterschiedliche Teams mit der Konzeption des neuen Großschaltschrankes zu betrauen. Neben unseren eigentlichen Entwicklern – dem Team Herborn – waren dies auch ein Team von Produktionsspezialisten aus dem Werk Rittershausen sowie ein Team eines externen Entwicklungsdienstleisters. Diese Maßnahmen haben zu sehr profunden Erkenntnisgewinnen geführt.

Sie haben zudem einen Kundenbeirat in den Entwicklungsprozess einbezogen…

Steffen: Richtig. Die Entscheidung unseren Kundenbeirat in die Entwicklung einzubeziehen, stand ebenfalls sehr frühzeitig fest. Sobald die Sondierungsphase beendet war und erste Konzepte aus verschiedenen Ideen kreiert wurden, haben wir den Kundenbeirat involviert. Dieser ist bei Rittal seit Jahr und Tag eine Institution. So haben wir auch einen Kundenbeirat für Klimageräte oder die Stromverteilung. Die Beiräte treffen sich zweimal pro Jahr bei Rittal. Wir präsentieren ihnen neueste Produktideen und hören uns dann deren Feedback dazu an.

Kann man beziffern, wie viele der Verbesserungen aufgrund der Anregungen aus dem Kundenbeirat realisiert wurden, und wie viele bei Rittal entwickelt wurden?

Steffen: Die meisten Ideen für Verbesserungen sind bei Rittal entstanden, aber immer mit der Rückmeldung aus dem Kundenbeirat, ob diese tatsächlich Sinn machen und relevant sind.

Der Großschaltschrank TS 8, den Sie im Jahr 1999 auf den Markt gebracht haben, ist ja bis heute ein durchaus gut etabliertes System. Worin bestand für Rittal die Hauptmotivation, ein solch großes, neues Entwicklungsprojekt anzugehen?

Steffen: Der wesentliche Aspekt war die Tatsache, dass wir über die Jahre zahlreiche Ideen zur Verbesserung unseres Systems hatten, die sich aber mit den automatisierten Anlagen in unserer Fertigung nicht einfach mal eben umsetzen ließen. Zum anderen hatte unsere Produktion auch die eine oder andere Idee, wie sich eine effizientere Fertigung realisieren lässt. Da stellte sich natürlich die Frage, ob dies alles nicht besser mit einem neuen Produkt umgesetzt werden sollte. Insofern haben wir entschieden und gesagt: Jetzt gehen wir in eine neue Schaltschrank-Generation.

Wie häufig kann ein solches Großprojekt überhaupt in die Tat umgesetzt werden?

Steffen: Der Lebenszyklus der Plattform VX25 wird voraussichtlich ähnlich sein wie beim Vorgängermodell TS 8. Hier sprechen wir also von einem Zeitrahmen von bis zu 20 Jahren. Dennoch ist der neue Schrank ein lebendiges Produkt. Wir haben in der Entwicklung zahlreiche Ideen gesammelt, die wir noch nicht alle verwirklichen konnten. Diese Liste werden wir nun sukzessive abarbeiten, so dass davon auszugehen ist, dass ungefähr im Zwei-Jahres-Rhythmus grundsätzliche Funktionsverbesserungen auf Basis dieser Plattform auf den Markt kommen werden.

Wenn Smartphone-Anbieter ein neues Produkt auf den Markt bringen, ist dieses in der Regel immer teurer als das Vorgängermodell. Wie schafft es Rittal, mit dem VX25-System in der Preisstruktur des TS 8 zu bleiben?

Steffen: Das war in der Tat eine große Herausforderung, da ja auch unsere Lieferanten hinsichtlich der Preisgestaltung mitspielen mussten. Auf der anderen Seite erzielen wir durch die Realisierung des Schrankes mit nur einem, im Boden verstärkten Profil einen Kostenvorteil, da die Bodengruppe nun ohne Wanne auskommt. Und dadurch, dass wir die Komplexität des Schranksystems insgesamt reduzieren konnten, kommen wir mit deutlich weniger Teilen aus. Dies macht es möglich, in dem vom TS 8 gewohnten Preisrahmen zu bleiben.

Zum Schluss: Welches sind Ihre drei Lieblings-Verbesserungen beim VX 25?

Steffen: Einmal die Komplexitätsreduzierung der Chassis, dann die Tür mit all ihren neuen Features, was Verschluss und Scharnier angeht. Denn früher musste der Schaltanlagenbauer immer mit einem Hilfstool das Scharnier öffnen. Heute kann er die Tür wie die eigene Zimmertür zuhause spielend einfach wechseln. Mein drittes Lieblingsfeature ist die einfache Einbringung der Montageplatte von hinten.

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