„Transparenz herstellen“

 Das Messsystem SEM3 wird in der Energie-Hauptverteilung eingesetzt und besteht aus Stromwandlern, Messmodulen und einem zentralen Controller. Das skalierbare Komplettsystem kann bis zu 45 Messpunkte im Gebäude erfassen. (Bild: Siemens AG)

Bild 5 | Das Messsystem SEM3 wird in der Energie-Hauptverteilung eingesetzt und besteht aus Stromwandlern, Messmodulen und einem zentralen Controller. Das skalierbare Komplettsystem kann bis zu 45 Messpunkte im Gebäude erfassen. (Bild: Siemens AG)

Wäre es theoretisch auch möglich, dass ein Schaltanlagenbauer selber eine App in MindSphere einbringt?

Matthé: Ja, selbstverständlich. MindSphere ist die Plattform für die Daten und natürlich wird Siemens eigene Anwendungen entwickeln. Aber diese Möglichkeit haben auch Kunden oder Dritte, die dies im Auftrag des Kunden tun. Daraus lassen sich dann wiederum neue Geschäftsmodelle generieren.

Mittlerweile steht eine Unmenge an digitalisierten Produktdaten der unterschiedlichsten Hersteller zur Verfügung und es gibt eine beträchtliche Anzahl an intelligenten Engineeringtools, um diese Daten zu verarbeiten und in effiziente Prozesse zu überführen. Auf der anderen Seite hat eine kürzlich veröffentlichte Studie des ISW der Universität Stuttgart ergeben, dass ein durchschnittlicher Stromlaufplan rund 320 gedruckte Seiten umfasst und die Verdrahtungszeit auf dieser Basis immer noch knapp 50 Prozent der gesamten Fertigungszeit eines Schaltschranks einnimmt. Wann wird nach Ihrer Ansicht dieser riesige Graben zwischen Anspruch und Wirklichkeit geschlossen sein?

Matthé: Eine interessante Frage, die nicht einfach zu beantworten ist. Die Digitalisierung führt dazu, dass der gesamte Datenfluss durchgängiger wird. Dies beginnt bei unseren Kunden mit der digitalen Unterstützung bei der Planung und dem Design von Schaltanlagen und fließt dann möglicherweise auch weiter in automatisierte Verdrahtungssysteme, die es heute ja schon am Markt gibt. Insgesamt glaube ich, dass auch in diesem Bereich die Möglichkeiten der Digitalisierung rasch gelebt und angewandt werden, auch wenn dies vielerorts im Moment noch nicht danach aussieht. Die Vorteile, die sich durch die Digitalisierung ergeben – die Durchgängigkeit von der Planung, über die Fertigung, bis hin zur Auslieferung -, werden derart überwiegen, dass dies zu einer hohen Akzeptanz führen wird. Einen genauen Zeitpunkt für einen Durchbruch zu nennen, ist allerdings sehr schwierig. Für Siemens ist es auf jeden Fall wichtig, dass wir hier eine gewisse Vorreiterrolle einnehmen, um mit den vorhandenen Tools wie Simaris oder einer Plattform wie MindSphere uns und unseren Partnern und Kunden neue Geschäftspotenziale zu erschließen.

Wie sehen die weiteren Entwicklungen im Bereich der Energieverteilung bei Siemens aus? Wird es eher darum gehen, Hardware-Lösungen zu optimieren, indem man diese beispielsweise noch kommunikationsfähiger macht, oder werden sich die nächsten Entwicklungen eher um die Ausweitung einer Engineering- und Software-Infrastruktur drehen?

Matthé: Wir werden die Entwicklungen auf beiden Ebenen vorantreiben. Wir werden weiterhin unsere Produkte – ob dies nun Schalter, Mess- oder Energieerfassungsgeräte sind – optimieren und den Kundenanforderungen noch besser anpassen. Zudem werden wir auch die Entwicklung in Richtung einer verbesserten Kommunikation weiter vorantreiben, da dies überhaupt erst der Enabler für die Digitalisierung ist. Aus diesen digitalen Daten und Prozessen werden sich dann weitere Anwendungs-Tools in Form von Softwarelösungen ergeben, so dass diese beiden Bereiche mehr und mehr zusammenwachsen.

Das könnte Sie auch interessieren

Das könnte Sie auch interessieren

Bei Siemens starteten Anfang September in Deutschland rund 2.100 junge Menschen an 20 Standorten ihre Berufsausbildung. Etwa 1.500 bildet Siemens für den eigenen Bedarf aus, weitere 600 kommen von externen Partnerunternehmen hinzu. 31 junge Menschen aus 14 Ländern nehmen am International Tech Apprenticeship@Siemens (ITA@S) in Berlin teil, darunter Auszubildende aus Nigeria, Pakistan und Südafrika. Dort erlernen sie den Beruf des Elektronikers für Betriebstechnik oder des Mechatronikers. ‣ weiterlesen

Anzeige

Friedrich Lütze stellt ab sofort einen großen Teil des Produktprogramms auf dem Onlinemarktplatz Best4Automation online. Schnell, direkt und ohne großen Verwaltungsaufwand können Geschäftskunden zukünftig deutschlandweit ihren kurzfristigen Bedarf an kleineren Stückzahlen decken. ‣ weiterlesen

Anzeige

Die Hannover Messe 2020 findet in einer Phase des technologischen Wandels und wirtschaftspolitischer Herausforderungen statt. Mit dem neuen Leitthema Industrial Transformation und rund 6 000 Ausstellern soll die Weltleitmesse der Industrie den Blick auf die Chancen öffnen, die sich aus den neuen Technologien, verändertem Nachfrageverhalten und einem steigenden Bewusstsein für den Klimaschutz ergeben. Die nächste Ausgabe wird vom 20. bis zum 24. April 2020 in der niedersächsischen Landeshauptstadt ausgerichtet. Indonesien ist im kommenden Jahr das Partnerland. ‣ weiterlesen

Anzeige

Der nordfriesische Bürgerenergie-Planer WEB Andresen und der Elektrotechnik-Spezialist Weidmüller kooperieren zukünftig bei der Nachrüstung von Rotorblatt-Überwachungs-Systemen an Windenergieanlagen in Deutschland. ‣ weiterlesen

Anzeige

Ein Jahr nach der Gründung der gemeinsamen Initiative „AI for Green Energy Lab“ gehen Schneider Electric und Microsoft neue Wege und suchen Start-ups, die den Energiesektor in Europa durch künstliche Intelligenz verändern wollen. ‣ weiterlesen

Anzeige

Das Fachbuch „Betreiberpflichten für Alt- und Gebrauchtmaschinen“ thematisiert die weitreichenden Neuregelungen zur Sicherheitstechnik sowie die gestiegenen Anforderungen, Maschinen sicher zu betreiben. Es ist im Reguvis Bundesanzeiger Verlag erschienen und für 34,80? unter ISBN 978-3-8462-1017-8 über den Buchhandel zu beziehen. Es ist ebenfalls als E-Book (PDF) erhältlich. ‣ weiterlesen

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige