Richtig dimensionierte IT-Kühlung für Kleinunternehmen

Moderne datenzentrierte Geschäftsmodelle führen dazu, dass selbst in kleinen Unternehmen die IT-Anforderungen kontinuierlich wachsen. Bei dem dadurch notwendigen IT-Ausbau kommt schnell die Frage auf, wie die neue Server-Klasse gekühlt werden soll, da die bisher genutzte Luftkühlung nicht mehr ausreicht. Der folgende Beitrag zeigt, wie der Einstieg in die Profi-IT mit einem kältemittelbasierten Kühlkonzept gelingt.

Beim Ausbau einer kleinen IT-Umgebung, die bislang mit Luftkühlung arbeitet, hin zu einer Infrastruktur mit mehreren IT-Schränken, wird oft ein neues Kühlkonzept benötigt. In Abhängigkeit der Gebäudeinfrastruktur und der geplanten Nutzung stellt sich zu Beginn die Frage, ob eine Kühlung mit Wasser oder mit einem Kältemittel erfolgen soll.

Alternative Wasser?

Prinzipiell ist auch in kleineren IT-Umgebungen die Kühlung mit Wasser möglich. Hierfür ist jedoch eine entsprechende Wasserzufuhr notwendig, die gegebenenfalls in Fabrikhallen, in der Regel aber nicht in einem Bürogebäude zur Verfügung steht. Daher muss ein Kaltwassersatz (Rohre, Pumpe, Freikühler, Chiller) bei den Investitionen berücksichtigt werden. Dieser Investition stehen aber geringere Betriebskosten gegenüber, da zu einem großen Teil des Jahres das Wasser über die kalte Außenluft gekühlt werden kann. Es empfiehlt sich also, eine Vollkostenrechnung (TCO) durchzuführen, die neben den Investitionen auch die Betriebskosten berücksichtigt.

Das richtige Kühlmittel

Mit deutlich geringerem Investitionsaufwand gelingt die IT-Klimatisierung durch die DX-Kühlung. DX steht für Direct Expansion und beschreibt die klassische kältemittelbasierte Klimatisierung über ein Split-Gerät plus einen Kompressor. Die Kälte wird hierbei über einen geschlossenen Kältemittelkreislauf mit Verdampfer, Kompressor, Kondensator und Expansionsventil erzeugt. Das Prinzip ist einfach: Über den Verdampfer wird ein Kältemittel verdunstet, das hierbei die Wärme aufnimmt. Der Kompressor saugt das Kältemittel an und verdichtet das Gas unter hohem Druck. Im Kondensator wird das Kältemittel wieder verflüssigt, wodurch die Wärme abgegeben wird. Über eine Drossel oder ein elektronisches Expansionsventil wird das Kältemittel entspannt und der Kreislauf kann von vorne beginnen. Das Funktionsprinzip dieser Kältemaschine findet sich auch in Kühlschränken und Gefriertruhen wieder.

Die Anschaffung von Kühlsystemen mit Kältemitteln ist in der Regel niedriger, da Wanddurchbrüche für dünnere Kupferleitungen günstiger herzustellen sind als für Wasserleitungen. Allerdings sind unter Umständen die laufenden Betriebskosten im Vergleich zu einer Wasserkühlung höher, da das System kontinuierlich Strom für den Kompressor benötigt.

Augen auf beim Klima-Kauf

In der IT-Klimatechnik setzen viele Hersteller als Kältemittel R-410A oder R134a ein. Diese verfügen über eine hohe volumetrische Kälteleistung. Daher wird auch mit kleinen Verdichtern eine hohe Kälteleistung erzielt, wodurch die Entwicklung sehr kompakter Klimageräte möglich wird.

Beim Einsatz von Kältemitteln müssen Hersteller und Kunden die Kältemittelverordnung beachten, die in Europa je nach Land unterschiedlich ausfallen kann. Die Verordnung definiert unter anderem, welche Mengen von welchem Klimamittel unter welchen Bedingungen an welchen Aufstellorten verwendet werden dürfen. Details über Art und Menge des Kältemittels liefern die Sicherheitsdatenblätter, die jeder Hersteller für seine Produkte bereitstellen muss.

Darüber hinaus sollten Unternehmen auf IT-gerechte Systeme achten: Nur moderne Geräte regeln kontinuierlich die Kompressorleistung über die Temperatur der Server-Zuluft und arbeiten mit einem Inverter-geregelten Verdichter, mit dem das Kühlgerät die Kaltluft konstant auf der eingestellten Server-Zulufttemperatur hält. So wird auch ein Einblasen zu kalter Luft – was zur Kondensation führen könnte – vermieden. Sinnvoll ist der Einsatz von drehzahlgeregelten EC-Ventilatoren (bürstenloser Gleichstrommotor), da diese den Luftvolumen sehr bedarfsgerecht steuern können. Außerdem arbeiten diese Lüfter äußerst sparsam im niedrigen Energiebereich.

Wer eine hohe Ausfallsicherheit benötigt, der greift auf vollständig redundante Lösungen zurück: Hierbei sind alle Komponenten wie Kompressor und Wärmetauscher bis hin zur Stromzufuhr doppelt vorhanden.

Extremtemperaturen beachten

Bei der Systemauswahl ist auf die Außentemperatur am Aufstellort zu achten. Bei extrem tiefen Temperaturen, wie sie in Nord- oder Osteuropa auftreten können, ist ein Winterset für die Außeneinheit notwendig. Gleiches gilt für Aufstellorte mit sehr hohen Außentemperaturen, die gegebenenfalls ein geeignetes Außengerät benötigen. Weiterhin sind die maximal möglichen Entfernungen der Außeneinheit zum Serverraum sowie ein eventueller Höhenunterschied zu berücksichtigen; denn hiervon hängen die Menge des Kältemittels und die Leistungsfähigkeit ab.

Welche Leistungsklasse brauche ich?

Ein weiterer wichtiger Parameter bei der Auswahl ist die zu kühlende Gesamtleistung der IT-Infrastruktur. Die DX-basierte Kühlung ist für kleine bis mittlere Gesamtleistungen bis etwa 40 kW Verlustleistung bei homogener Leistungsverteilung über die IT-Racks hinweg gut geeignet. Ab etwa 40 bis 50 kW Gesamtleistung lohnt sich die Installation einer Wasserkühlung.

Welche Systeme gibt es?

Die am schnellsten und einfachsten zu realisierende Klimatisierung ist eine schrankbasierte Kühlung mit einem DX-Klimagerät. Hierbei wird ein Kühlgerät im IT-Rack an die Seitenwand montiert. Ein Beispiel hierfür ist die Lösung LCU DX (Liquid Cooling Unit) von Rittal, die in Ausführungen bis 6,5 kW verfügbar ist. Bei dem LCU-System kreist die Luft horizontal, wodurch die klassische „front to back“-Luftführung der 19-Zoll-Einbauten unterstützt wird. Hierbei wird kalte Luft vor die Geräte geblasen. Die durch die Server erwärmte Luft wird dann im rückwärtigen Bereich angesaugt, über den Wärmetauscher geführt und dadurch wieder gekühlt. Bei diesem Konzept sollte der IT-Schrank gut abgedichtet sein, wie zum Beispiel der TS IT von Rittal, weil sonst Kälte entweicht und das Gesamtsystem an Effizienz verliert. Voraussetzung für den Einbau des LCU DX ist ein 800mm breiter Serverschrank.

Ein weiteres Beispiel für ein Rack-Klimagerät ist das LCP DX (Liquid Cooling Package) von Rittal, das für Leistung von 12 kW Verlustleistung einsetzbar ist. Das Kühlsystem ist seitlich am IT-Schrank montierbar, wodurch sich mit nur einem Kühlgerät auch zwei Schränke versorgen lassen. LCP DX gibt es auch in einer Variante, bei der die Kaltluft nach vorne ausgeblasen wird. Damit realisieren Unternehmen beispielsweise eine Lösung mit einem Kaltgang, in dem mehrere IT Racks gekühlt werden.

Spezialfall: Dachkühlgerät

Eine Besonderheit sind kompakte Dachaufbaukühlgeräte: Wie der Name schon vermuten lässt, werden diese auf dem Dach eines IT-Racks montiert. Solche einteilige Lösungen verfügen über einen Wärmetauscher und Kompressor. Auch hier wird die kalte Luft wird vor die 19-Zoll-Ebene geblasen und dort von den IT-Komponenten angesaugt. Hiermit lassen sich Leistungen bis etwa 3 kW kühlen. Allerdings: diese Geräte blasen die warme Abluft wieder in den Raum, wodurch sich der Technikraum aufheizt. Sinnvoll kann diese Lösung sein, wenn bereits ein Raumklimagerät vorhanden ist. Wer zum Beispiel in einem Hochhaus in der 15. Etage eine schnelle Kühllösung benötigt und keine baulichen Veränderungen vornehmen darf, ist mit diesem Konzept bestens bedient.

Fazit

Die Auswahl des Klimakonzepts erfolgt auf Basis der vorhandenen Gebäudeinfrastruktur, der geplanten Nutzung der IT-Infrastruktur und einer Investitionskalkulation. Der größte Unsicherheitsfaktor hierbei: Wie schätze ich die zukünftige Entwicklung der eigenen IT-Umgebung richtig ein. So manche Unternehmen betreiben heute überdimensionierte Klimalösungen, weil der IT-Bedarf im eigenen Haus zu hoch eingeschätzt wurde – damit wird bares Geld verschenkt. Wer mit modularen Klimasystemen auf Rack-Ebene arbeitet, erhält sich auch langfristig die notwendige Flexibilität, um auf geänderte Anforderungen an die IT zu reagieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kabelführungsspezialist Pflitsch ist jetzt ‚Member of EHEDG‘. Mit der Firmen-Mitgliedschaft bei EHEDG stärkt das Unternehmen nun die Bedeutung des wachsenden Produktsortimentes für Kabelverschraubungen und Kabelkanäle nach dem Prinzip des Hygienic Designs.

Mit dem Kauf der Firma Bekto Precisa aus Goražde in Bosnien-Herzegowina hat Emka einen weiteren Meilenstein seiner Unternehmensgeschichte bekanntgegeben.

Anzeige

Hager hat bei stetigen Qualitätskontrollen festgestellt, dass es bei einem Teil der ab Februar 2018 ausgelieferten Sammelschienenverbinder ZZ15SAVE aufgrund eines Materialfehlers zum Bruch des Gegenlagers kommen kann. Bedingt dadurch kann eine langzeitstabile, elektrische Verbindung der Sammelschienen nicht immer gewährleistet werden.

Korrekt dimensionierte Kabel und Leitungen sind Voraussetzung für eine sichere Elektroinstallation und garantieren den Schutz im Fehlerfall. Die manuelle Berechnung erfordert viele Schritte und Überlegungen.

Anzeige

Viele Anwender kennen die wiederkehrenden Aufgaben, die viel Zeit bei der Projektierung benötigen. Das Buch richtet sich an Eplan-Anwender und -Administratoren, die mithilfe von automatisiertem Scripting ihren Workflow beschleunigen möchten.

Die Maschinenbauer in Deutschland haben den handelspolitischen Stürmen im Jahr 2018 erfolgreich getrotzt und ihre Belegschaften sogar vergrößert. „Das von uns für 2018 prognostizierte Produktionswachstum von 5% auf den Rekordwert von 228Mrd.€ ist ehrgeizig, aber realisierbar“, sagte VDMA-Präsident Carl Martin Welcker auf der Jahrespressekonferenz des Verbands.

‚Switch to the Future‘ ist der offizielle Leitspruch vom deutschitalienischen Elektrotechnikkonzern Finder, dessen Firmenzentrale bereits vor über 60 Jahren in Norditalien gegründet wurde. Auf der Messe SPS IPC Drives 2018 Ende November in Nürnberg blickte das Finder-Team um Geschäftsführer Alexander Krutzek zusammen mit Kunden und Weggefährten nicht nur in die Zukunft, sondern ausnahmsweise auch mal zurück – denn es gab etwas zu feiern: Die deutsche Niederlassung beging ihr 35-jähriges Firmenjubiläum und kann auf dreieinhalb sehr erfolgreiche Jahrzehnte Unternehmensgeschichte zurückschauen.

Ab dem 1. Januar 2019 übernimmt Reto Steinmann (Foto) als General Manager die Geschäftsführung bei Schneider Electric Schweiz. Zusätzlich zu seinen bestehenden Aufgaben als Geschäftsführer der Firma Feller gestaltet er dann auch die strategischen und operativen Aufgaben des Energiespezialisten in der Schweiz.

Der einfachen und sicheren Durchführung von Kabeln, Leitungen und Schläuchen ins Schrankinnere kommt im Schaltanlagenabu eine große Bedeutung zu. Trelleborg Industrial Products bietet hierzu zahlreiche Varianten für unterschiedliche Anwendungen, die Schutz vor Feuchtigkeit, Schmutz und EMV-Einflüssen bieten.

In der durchgängig vernetzten Fabrik, in der alle Geräte untereinander Daten austauschen, bilden offene und standardisierte Schnittstellen ein wichtiges Fundament. Doch nicht erst in der laufenden Produktion, bereits im Engineering bringen sie spürbaren Mehrwert. Eplan, Mitsubishi Electric und Siemens setzen an dieser Stelle auf AutomationML. Welche Vorteile sich durch die Nutzung des Standards für den Anwender ergeben, darüber hat unsere Schwesterpublikation SPS-MAGAZIN mit Experten der Firmen gesprochen.

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige