Fort- und Weiterbildung im Elektrohandwerk

Hoch im Kurs

Begriffe wie lebenslanges Lernen, Knowhow-Transfer, digitale Kompetenzen oder Arbeitsmarkt der Zukunft haben derzeit Hochkonjunktur. Und so verwundert es kaum, dass berufliche Fortbildungsmaßnahmen als Gebot der Stunde gelten. Nur, wie steht es um das Angebot? Wie haben sich Hersteller und Industrie auf den stetig steigenden Bedarf nach qualifizierten und auch digitalen Schulungsprogrammen vorbereitet?

 Im Kurs zum Thema Schaltschrankoptimierung werden u.a. Grundkenntnisse in Softwareanwendungen wie dem Digital Logbook vermittelt - einem Tool zur digitalen Dokumentation von Schaltschrankkomponenten. (Bild: Schneider Electric GmbH)

Im Kurs zum Thema Schaltschrankoptimierung werden u.a. Grundkenntnisse in Softwareanwendungen wie dem Digital Logbook vermittelt – einem Tool zur digitalen Dokumentation von Schaltschrankkomponenten. (Bild: Schneider Electric GmbH)

In rasanter Geschwindigkeit verändert die Digitalisierung unsere Arbeitswelt. Vom Finanzwesen über das Gastgewerbe bis hin zur Elektroindustrie – die Dynamik des technologischen Fortschritts hinterlässt tiefe Spuren, prägt neue Berufsbilder, Arbeitsmethoden, Produktionsprozesse und Wertschöpfungsketten. Smart Grid, Internet der Dinge oder Industrie 4.0 sind nur einige der Schlagwörter, die das enorme Potential dieser Transformation zum Ausdruck bringen. Doch die schöne neue Welt der Digitalisierung – mit all seinen Möglichkeiten und Versprechungen – setzt eine wertvolle Ressource voraus: qualifizierte Mitarbeiter mit dedizierten Fachkenntnissen. Und die, Stichwort Fachkräftemangel, sind knapp. Das gilt auch oder gerade im elektrotechnischen Berufsumfeld, das mehr und mehr von Begriffen wie Konnektivität, Automatisierung, Cloud oder Last- und Lademanagement beherrscht wird. Mit jeder technologischen Neuerung gewinnen daher Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen mehr und mehr an Bedeutung. In einer Welt der technikgetriebenen Veränderungen und Umbrüche gilt es, Schritt zu halten, digitale Kompetenzen aufzubauen und auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Was für Unternehmen eine Frage des Überlebens sein kann, ist für Mitarbeiter im Schaltanlagenbau, Planer und Elektrofachkräfte mehr als eine bloße Pflichtveranstaltung. Die berufliche Weiterbildung signalisiert Engagement, sichert den Arbeitsplatz und erhöht die Aufstiegschancen im Unternehmen.

Onlineschulungen im Fokus

Den steigenden Bedarf an beruflichen Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten haben Industrie und Hersteller schon lange erkannt und mit einem umfassenden Schulungsangebot bedient. Die über Jahre hinweg entwickelten Konzepte und Formate erstrecken sich über einfache Tagesschulungen, mehrtägige Seminare bis hin zu intensiven Zertifizierungsprogrammen. Abgebildet werden sowohl technische Grundlagenkurse sowie spezifische System- und Produktschulungen als auch herstellerneutrale Workshops zu Vertrieb und Projektmanagement oder Planung und Dimensionierung. Ein Format rückt dabei immer mehr in den Vordergrund: Onlineschulungen. Aus gutem Grund. Onlinekurse sind an die individuellen Bedürfnisse der Nutzer angepasst und tragen dem vollen Terminkalender der Teilnehmer Rechnung. Sie erlauben eine flexible Zeiteinteilung, unterstützen den persönlichen Lernrhythmus und machen aufwendige Anreisen überflüssig. Onlinegestützte Schulungsformate haben darüber hinaus den Vorteil, spezifische Themenkomplexe in ihrer gesamten Breite abdecken und aufgegliedert in einzelne Unterrichtseinheiten unmittelbar bereitstellen zu können. Anwender haben dadurch die Möglichkeit, sich gezielt in die für sie relevanten Teilbereiche zu vertiefen. Mit der „Energy University“ hat beispielsweise Schneider Electric eine Onlineplattform entwickelt, die sich ausschließlich dem Thema der Energieeffizienz widmet. Die Plattform zählt mittlerweile mehr als 130.000 Nutzer weltweit und über 70 herstellerneutrale Online-Module.

Inhaltlicher Schwerpunkt des Webinars ‚Connected Room Solution‘ ist der IP-basierte Feldcontroller SmartX RP-C für HLK-, Beleuchtungs- und Verschattungs-Applikationen (Bild: Schneider Electric GmbH)

Dialog statt Anonymität

Viele E-Learning-Programme kommen ohne persönlichen Kontakt und Interaktion aus. Allzu oft heißt das aber auch: lesen, klicken, Häkchen setzen und vorgefertigte Fragen beantworten. Mit den „Learn & Lunch“ Webinaren versucht der Energiespezialist dieses Schema aufzubrechen und den Gedankenaustausch in den Fokus zu rücken. Hierzu wurde das Online-Schulungsformat in zwei Unterrichtseinheiten aufgegliedert: In einen etwa 30-minütigen Fachvortrag und eine rund 15-minütige Diskussionsrunde. Letztere erlaubt den direkten Dialog mit den Referenten und bietet Raum für Fragen, Ergänzungen und vertiefende Informationen. Da die Live-Webinare aufgezeichnet werden, können die Module aber auch zu einem beliebigen Zeitpunkt nachgeholt werden. Das Wort „Lunch“ kommt im Übrigen nicht von ungefähr. Denn nach Abschluss der Lerneinheit erhalten die Teilnehmer via E-Mail einen Essensgutschein für einen Lieferdienst. Ob rechtliche oder normative Kenntnisse, Softwaretools, Produktvorstellungen, Installationshinweise oder Vertriebsstrategien, das Themenspektrum der „Learn & Lunch“ Reihe ist breit gefächert und auf verschiedene Segmente und Zielgruppen zugeschnitten. Der Bereich „Zweckbau“ etwa richtet sich gezielt an Schaltanlagenbauer, Planer, Projektierer, Elektroinstallateure sowie Systemintegratoren und bietet dedizierte Kurse zu übergeordneten Themenfeldern wie Energiemessung, Brandschutz oder Stromqualität. Digitale Kompetenzen werden dabei nicht als alleinstehende Unterrichtsinhalte verstanden, sondern als integraler Bestandteil von Lösungsstrategien und Berufsfeldern. Beispielhaft ist ein Webinar im Bereich der Schaltschrankoptimierung. Der Kurs beleuchtet den Einsatz neuester Softwaretools, SaaS-Modelle (Software as a Service) sowie Apps und skizziert von der Planung über die Installation bis hin zur Wartung, das Potential dieser Lösungen. In dem Webinar werden digitale Kompetenzen praxisorientiert vertieft und Grundkenntnisse in Softwareanwendungen wie dem Digital Logbook vermittelt – einem Tool zur digitalen Dokumentation von Schaltschrankkomponenten. Hierzu werden bereits bei der Konfiguration alle projektrelevanten Unterlagen – seien es nun technische Datenblätter, Wartungspläne oder Handbücher – digital erfasst und in einer zentralen Datenbank gespeichert. Über einen QR-Code an der Schaltanlage können die gesammelten Informationen dann problemlos abgerufen und verwaltet werden. Auf diese Weise wird die technische Dokumentation automatisch in Form einer auf den Anwendungsfall zugeschnittenen digitalen Bibliothek erstellt.

Rüstzeug für die Raumautomation 4.0

So wie der digitale Wandel den Schaltanlagenbau erfasst, hinterlässt er auch Spuren in anderen Anwendungs- und Tätigkeitsfeldern. In der Raumautomation gewinnen beispielsweise vernetzte Messgeräte, intelligente Steuerungselemente und softwaregestützte Apps und Analysetools mehr und mehr an Bedeutung. Und mit dem Internet der Dinge (IoT) ändern sich natürlich auch Ansprüche und Möglichkeiten. Neben Komfort und Sicherheit in Gestalt von Raumluftkonditionierung, Beleuchtungsautomatik, Zutrittsüberwachung und Gefahrenmeldung stehen nunmehr ein effizientes Energiemanagement, Verbrauchs- und Kostentransparenz sowie Lifecycle-Betrachtungen stärker im Fokus. Das Learn & Lunch Programm greift diese Entwicklungen in dem Webinar „Connected Room Solution“ auf. Inhaltlicher Schwerpunkt der Veranstaltung ist der IP-basierte Feldcontroller SmartX RP-C für HLK-, Beleuchtungs- und Verschattungs-Applikationen. Schulungsteilnehmer bekommen einen fundierten Einblick in das Ökosystem der Raumautomation 4.0 und werden Schritt für Schritt an die Einsatzmöglichkeiten, Vorteile und Funktionsvielfalt der digitalen IoT-Zentrale herangeführt. Außerdem erhalten die Teilnehmer eine Einführung in die EcoStruxure Building Engage App und die eCommission App. Letztere gibt Technikern die Möglichkeit der mobilen Inbetriebnahme, ohne dabei Gewohnheiten und Aktivitäten der Gebäudenutzer einschränken zu müssen.

Fazit

Die Arbeitswelt verändert sich. Nicht erst seit heute, nicht zum ersten Mal. Und wie schon im 19. und 20. Jahrhundert, als Massenproduktion und Automatisierung das Berufsleben auf den Kopf gestellt haben, gilt auch jetzt: Anschluss halten, Technologien verstehen und Fachkenntnisse vertiefen. Berufliche Fortbildungsmaßnahmen sind ein wichtiger und notwendiger Baustein in diesem Komplex. Viele Unternehmen investieren daher regelmäßig in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter, die sich damit eine Dauerkarte für den digitalen Arbeitsmarkt von morgen sichern. An Schulungsangeboten von Seiten der Hersteller mangelt es jedenfalls nicht. Allein im Bereich Zweckbau werden beispielsweise von Schneider Electric 15 Learn & Lunch Webinare angeboten. Und das ist nur einer von fünf Bereichen und nur ein Schulungsformat von vielen.

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