Panel-Shop-Programm zur Zulassung von Schaltschränken für den internationalen Markt

Schlüsselfertig

Die Anforderungen, die in den USA und Kanada an elektronische Geräte gestellt werden, sind umfangreicher und komplexer als für den europäischen Markt. Das betrifft auch den Bereich Schaltschrankbau. Der Beitrag beschreibt die wesentlichen Unterschiede und stellt ein Programm des TÜV Süd vor, das Schaltschrankbauer bei der Erfüllung der Normen unterstützt.

 Der nordamerikanische Markt stellt umfangreiche und komplexe Anforderungen an Schaltanlagenbauer. (Bild: ©bounlow-pic/Fotolia.com)

Der nordamerikanische Markt stellt umfangreiche und komplexe Anforderungen an Schaltanlagenbauer. (Bild: ©bounlow-pic/Fotolia.com)

Wichtig zu wissen ist zunächst, dass die Erteilung der Betriebserlaubnis für Schaltschränke und Maschinen erst nach einer Untersuchung vor Ort durch lokale Behörden und Inspektoren (den AHJ – Authorities Having Jurisdiction) erfolgt. Sollten hier Unstimmigkeiten festgestellt werden, wird der Betrieb einer Anlage von den AHJ’s solange untersagt bis die Abweichungen behoben wurden und eine Nachprüfung stattgefunden hat. Eine große Herausforderung für den Schaltschrankhersteller ist sehr oft der Umgang mit den verschiedenen Normen und der Umsetzung der Anforderungen.

Übersicht der jeweiligen Normen, die im Rahmen des Panel-Shop-Programms für den Schaltschrankbau geschult und berücksichtigt werden. (Bild: TÜV Süd Product Service GmbH)

Übersicht der jeweiligen Normen, die im Rahmen des Panel-Shop-Programms für den Schaltschrankbau geschult und berücksichtigt werden. (Bild: TÜV Süd Product Service GmbH)

Wichtiges Detailwissen

Neben unterschiedlichen Kennzeichnungs-, Bauteil- und Verdrahtungsanforderungen sind oftmals auch Details zu beachten, die in den USA und Kanada letztlich zu Abweichungen führen können. Seien es die unterschiedlichen Angaben auf dem Typenschild des Schaltschranks, eine falsche oder fehlende Gehäuseschutzart, andere Querschnitte oder auch die Verwendung von nichtkonformen Bauteilen. Zu einer normkonformen Konstruktion und Umsetzung gehören neben dem Wissen der Prozess- und Verfahrenstechnik der Maschine selbst, auch die Kenntnis über ‚Eigenschaften von‘ und ‚Anforderungen an‘ Komponenten. Dies beginnt bereits bei der richtigen Auswahl des Schaltschrankgehäuses und der Kenntnis der möglichen Umwelteinflüsse am Aufstellort. Die in Europa übliche IP Gehäuseschutzart spielt in USA und Kanada nur eine untergeordnete Rolle. Hier gilt das Type-Rating (auch NEMA-Klasse genannt). Ob eine Komponente letztlich richtig verwendet wurde, ist neben der richtigen Zulassung auch von anderen Parametern abhängig. Neben der Norm, legt auch der Komponentenhersteller bestimmte Anforderungen fest, die für einen konformen Betrieb eingehalten werden müssen (Abstände, eine spezielle Absicherung, Umgebungstemperaturen etc.). Eine weitere Herausforderung für den Schaltschrankbauer sind unterschiedliche Anforderungen zwischen europäischen und amerikanischen bzw. kanadischen Normen. Für fast identische Sachverhalte kann es zu verschiedenen Ausführungen kommen. Hierbei sind die unterschiedliche Farbkennzeichnung von Leitern, z.B. des Neutralleiters (in USA/Kanada Weiß oder Grau) genauso zu nennen, wie die getrennte Verlegung von Leitungen vor und nach dem Hauptschalter oder der Absicherung mit anderen Sicherungs- und Leistungsschaltertypen sowie der geforderten Schaltschrankverriegelung. Auch haben die zum Teil wesentlich höheren Sicherheitsfaktoren bei der Strombelastbarkeit von Einzeladern und Leitungen innerhalb und außerhalb von Schaltschränken einen großen Anteil an möglichen Abweichungen. Hierfür ist es sehr wichtig die verschiedenen Normen und die jeweils relevanten Tabellen zu kennen.

 Das Panel-Shop-Programm schult den Schaltanlagenbauer im Umgang mit den Normen in den USA und Kanada. (Bild: ©industrieblick/Fotolia.com)

Das Panel-Shop-Programm schult den Schaltanlagenbauer im Umgang mit den Normen in den USA und Kanada. (Bild: ©industrieblick/Fotolia.com)

Dienstleistungskonzept für Europa und Nordamerika

TÜV Süd Product Service unterstützt Schaltschrank- sowie Maschinen- und Anlagenbauer mit eigener Schaltschrankfertigung und bietet mit dem Panel-Shop-Programm ein umfangreiches und bewährtes Dienstleistungskonzept für Europa und Nordamerika (USA & Kanada). Im Rahmen des TÜV Süd Panel-Shop-Programms wird der Schaltschrankhersteller im Umgang mit den Standards geschult. Das Panel- Shop-Programm ermöglicht den Herstellern von Schaltschränken das selbstständige Labeln von Schaltschränken, die nach einem zuvor festgelegten Standard gebaut wurden. Die Fertigung wird zyklisch überwacht. Durch Anbringen eines Labels am Schaltschrank zeigt der Schaltschrankhersteller, dass der Schaltschrank durch einen zertifizierten Schaltschrankbauer, zu den genannten Norm(en) konform gefertigt wurde und somit z.B. die amerikanischen Anforderungen erfüllt. Da die UL508A aus zwei Teilen besteht – dem allgemeinen Teil für General Industrial Control Panels und dem Teil für spezielle Anwendungen z.B. Industrial Machinery – ist die Anwendung für einen normgerechten Schaltschrank erst dann erfüllt, wenn auch die ‚NFPA79 Electrical Standard für Industrial Machinery‘ bei der Konstruktion des Schaltschranks mit berücksichtigt wurde. Für den Einsatz von Schaltschränken mit eigensicheren Stromkreisen, muss in den USA die UL698A Industrial Control Panels – Relating to Hazardous (Classified) Locations herangezogen werden. Voraussetzung zur Anwendung dieses Standards ist, dass der Schaltschrank außerhalb des Ex-Bereichs (Classified Location) steht und der Schaltschrank in allen anderen Punkten der UL508A entspricht. Aber auch für Europa bietet das Panel-Shop-Programm Lösungen. Mit einem Training der EN60204-1 und dem Anbringen der Panel Shop Label, beweist der Schaltschrankbauer, dass er neben der eigenen CE-Kennzeichnung einen weiteren Schritt zur Einhaltung der Europäischen Standards gegangen ist. Auch hier erfolgt eine Fertigungsüberwachung der gebauten Schaltschränke in regelmäßigen Abständen. Kontakt für weitere Informationen zum Panel- Shop-Programm des TÜV Süd oder bei Interesse an einer Teilnahme unter: Christian.Moschner@tuev-sued.de

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