Das Familienunternehmen Schalt-Technik Huber im Wandel der Zeit

Stimmiges Komplettpaket

Mehr als ein halbes Jahrhundert im Schaltanlagenbau: Auf diese Tradition kann die Firma Schalt-Technik Huber aus dem Münchener Stadtteil Schwabing-Freimann zurückblicken. In dieser Zeit war das Gewerbe großen Veränderungen unterworfen. Im Gespräch mit dem SCHALTSCHRANKBAU erläutert Inhaber Robert Huber welche Herausforderungen sein mittelständisches Unternehmen zu bewältigen hat, um auch heute noch in einem Hochlohnland wie Deutschland erfolgreich am Markt agieren zu können.

 (Bild: Schalttechnik Huber)

Erfolgreich am Markt seit über 50 Jahren – die Firma Schalt-Technik Huber durchlief einige Transformationen. (Bild: Schalttechnik Huber)

Das von Gerhard Huber 1968 gegründete Unternehmen beschäftigt heute 60 Mitarbeiter. Für den ersten großen Entwicklungsschub sorgten 1972 die Olympischen Spiele in München, als es darum ging, die Infrastruktur für das Großereignis bereitzustellen. Heute bietet die Firma ein ganzheitliches Angebotsspektrum in den Bereichen Schaltanlagenbau, Energieversorgung und -management sowie Retrofit. Systempartner sind u.a. folgende Hersteller mit ihren Marken: Siemens mit Sivacon, Striebel mit Triline und Sedotec mit Vamocon. „Als mein Vater die Firma Ende der sechziger Jahre gegründet hat, war der Schaltschrankbau – früher sagte man ‚Schalttafelbau‘ – im Grunde Zulieferer der Elektrobetriebe und der Industrie. Wir erhielten ausgearbeitete Pläne, dezidierte Materialvorgaben und fertigten nach diesen Vorgaben. Wären wir heute noch so aufgestellt, könnten wir, speziell hier im Raum München, keinen Blumentopf mehr gewinnen“, bemerkt Robert Huber. Vor dem Hintergrund des Lohnniveaus in anderen Regionen Europas, ist eine solche Geschäftsstrategie ohne Engineering-Komponenten heute nicht mehr von Erfolg getragen. Huber: „Daher durchliefen wir eine 50jährige Wandlung, die wir aktiv gestaltet haben.“

Vom Lohnfertiger zum Systemanbieter

Wie aber lässt sich eine solche Umstrukturierung erfolgreich bewältigen? Der Schlüssel liegt laut Herrn Huber in einem gewandelten Selbstverständnis. „Wir sind nicht länger nur Zulieferbetrieb für den Maschinenbau oder die Gebäudeinfrastruktur. Heute erwarten Kunden von uns Lösungen. Als erfolgreicher Betrieb haben wir uns auch zu einer Engineering-Firma weiterentwickelt. Die vielschichtigen Möglichkeiten, die moderne Schaltanlagen bieten, haben eine erhebliche Ausweitung des Angebotsspektrums erfordert.“ Anders als früher, als diese Kompetenz noch ausschließlich bei den Ingenieurbüros lag, sei heute eine anwendungsspezifische Beratung und Planung einer Schaltanlage durch den Anlagenbauer das A und O. „Wir müssen komplexe Berechnungen anstellen, um unseren Kunden Alternativen anbieten zu können“, so Robert Huber. Diese Tatsache spiegelt sich auch in der Firmenstruktur wider: Lag vor 30 Jahren der Mitarbeiteranteil der Bereiche Planung, Engineering und Projektabwicklung bei fünf bis zehn Prozent, so macht dies heute rund ein Drittel der Belegschaft der Schalt-Technik Huber aus. Die Fertigung der Schaltanlagen stelle nach wie vor den umsatzstärksten Bereich dar, aber nur durch entsprechende Engineering-Leistungen könne der zusätzliche Kundennutzen garantiert werden. Maßgeblich dafür ist auch die Fähigkeit Kurzschluss- und Selektivitätsberechnungen mit herstellerneutralen Softwaretools anbieten zu können. Dies stellt für den Kunden im Sinne der Verantwortung für die Errichtung der Gesamtanlage einen erheblichen Vorteil dar. Zudem werde bei Bedarf heute auch die Montage und Inbetriebnahme der gelieferten Anlagen übernommen.

Bereits vor dem Eintreffen der Schaltschrankgehäuse werden die Kupferschienen automatisiert gefertigt,… (Bild: Schalt-Technik Huber GmbH)

 ... um dann passgenau montiert zu werden. (Bild: Schalt-Technik Huber GmbH)

… um dann passgenau montiert zu werden. (Bild: Schalt-Technik Huber GmbH)

Ausbau der Dienstleistungen

Die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit durch den Ausbau der Dienstleistungen setzt sich aus mehreren Mosaiksteinen zusammen. Durch die Verwendung von dafür geeigneten Komponenten, wie Leistungsschalter, Multifunktionsmessgeräten, Differenzstromauswertungen, sowie Raumüberwachungssystemen, werden die Grundlagen des modernen Energie-Monitoring in die Schaltanlagen integriert. „Bei Bedarf können wir durch unseren Status als Janitza Solution Partner das gesamte Energie-Monitoring realisieren. Dies ist umso bedeutender, je kritischer die Anforderungen der Infrastruktur sind, wie z.B. in Rechenzentren oder Krankenhäusern.“ Ein weiterer Dienstleistungsbaustein ist die Konzeption und Umsetzung komplexer Ersatzstromanlagen unter Beachtung der lokalen TAB Normen, sowie der aktuellen DIN/VDE. „Die Fähigkeit zur umfangreichen Kurzschluss- und Selektivitätsberechnung stellt in allen relevanten Spannungsbereichen die Qualität der elektrotechnischen Gesamtanlage sicher“, so Robert Huber. „Wenn gewünscht begleiten wir unsere Kunden von Konzeptbeginn bis zur Wartung in allen Bereiche des Lebenszyklus unserer Anlagen.“

 

Differenzierte Digitalisierungsstrategie

Bei der Digitalisierung der eigenen Planungsabteilung und Produktion, verfolgt Schalt-Technik Huber eine sehr differenzierte Strategie. Digitale Schnittstellen gibt es vor allem zwischen dem Engineering und der Fertigung bzw. den Systempartnern. Die verwendeten Projektierungstools generieren hierbei Dateninformationen, die gleichermaßen als Grundlage für Systemlieferanten, CNC-Kupferbearbeitung und Montage der Schaltanlage dienen. „Die projektierte Schaltanlage wird in elektronischer Form direkt an unseren Systempartner weitergeleitet und führt zur Lieferung der entsprechenden mechanisch ausgebauten Gehäuse mit den gewünschten Features. Gleichzeitig generieren wir für unsere Fertigung Datenfiles, die direkt von unseren CNC-Bearbeitungszentren verarbeitet werden, so dass die Kupferschienen abgelängt, gestanzt und gebogen werden. Beim Eintreffen der Gehäuse sind alle Kupferschienen entsprechend vorbereitet und können sofort montiert werden.“ Bei der Verdrahtung setzt der Münchener Schaltanlagenbauer bisher keine digitalen Hilfsmittel ein, obwohl man sich in Zukunft z.B. den Einsatz von Datenbrillen vorstellen könne. Auch hinsichtlich der Blechbearbeitung sei dies kein Thema, da diese praktisch nicht stattfinde: „Unsere Anlagen sind bereits durch unsere Systempartner nach der DIN EN61439 bauartgeprüft. Daher ist eine zusätzliche Blechbearbeitung nicht erforderlich. Bei uns findet in dieser Hinsicht also eher eine Assemblierung statt“, so Huber. Generell gebe es rund um das Thema Digitalisierung von allen namhaften Lösungsanbietern für den Schaltanlagenbau mannigfaltige Komplettunterstützung. Dem steht der Firmenchef skeptisch gegenüber: „Für uns als Schaltanlagenbauer, der für seine Kunden immer die für die jeweilige Anwendung optimale Lösung offerieren möchte, ist es sinnvoll aus den verschiedenen Herstellersystemangeboten die bestmögliche Kombination zu erarbeiten.“

Strukturelle Herausforderungen

„Auch für uns stellt der Fachkräftemangel eine große Herausforderung dar. Zudem verfügen weder die IHK noch das Handwerk über den Ausbildungsberuf des ‚Schaltanlagenbauers‘. Dies erfordert eine individuelle Qualifizierungsphase der Elektrofachkräfte von zwei bis drei Jahren. Es wird immer noch verkannt, dass die Kompetenz, die sich früher ausschließlich auf Ingenieurbüros, Elektrobetriebe und die Industrie verteilt hat, heute auch vom Schaltanlagenbau abgedeckt werden muss“, kritisiert Herr Huber. Des Weiteren habe die Firma aufgrund ihres Wachstums die Kapazitätsgrenzen des Betriebsgebäudes erreicht. Die weitere Entwicklung des Unternehmens, u.a. in Form eines neuen, größeren Standortes, wird durch die dritte Inhabergeneration bereits in Angriff genommen. Die Nachfolgeregelung ist durch den Eintritt von Tochter Gisela Huber ins Unternehmen erfolgreich gesichert. „Wir sind also auch in den nächsten 50 Jahren mit Energie für unsere Kunden da“, so Robert Huber. (jwz)

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