Die Lebensdauer von Schmelzsicherungen

Eine Frage der Planung

Jeder Praktiker kann von Fällen berichten, bei denen Schmelzsicherungen bei der Erneuerung einer Anlage nach Jahrzehnten im Betrieb noch offenbar unversehrt und funktionstüchtig entnommen werden konnten. Ebenso gibt es Erfahrungen, dass bei manchen Anlagen der wiederholte ‚Ausfall‘ (genauer: das Abschalten) von Sicherungen zu lästigen und teils auch teuren Betriebsstörungen führte.

Bild: FuseXpert

Der Eindruck einer begrenzten Lebensdauer von Sicherungen oder die Vermutung einer systemimmanenten Alterung dürfte auf der Erfahrung ungeklärter Betriebsstörungen durch ‚Sicherungsausfälle‘ beruhen, die durch Sicherungswechsel häufig einfach (wenigstens vorübergehend) zu beseitigen waren. Im Folgenden soll versucht werden, die Hintergründe scheinbar „spontaner“ Abschaltungen von Schmelzsicherungen zu durchleuchten, indem die Einflussfaktoren auf ihre betriebliche Lebensdauer erläutert werden.

Definition der Lebensdauer

Die meisten Geräte und Maschinen sowie Gegenstände des täglichen Bedarfs haben erfahrungsgemäß eine begrenzte Lebensdauer. Sie unterliegen vielfältigen Einflüssen, welche die Gebrauchstüchtigkeit mit der Zeit beeinträchtigen: Diese Einflüsse führen zu irreversiblen Veränderungen, wobei generell die Intensität der Beanspruchungen und die Betriebstemperaturen einen wesentlichen Einfluss auf die Änderungsgeschwindigkeit und damit auf die Lebensdauer eines Bauteils oder Produkts haben. Aussagen zur Produktlebensdauer sind daher immer bezogen auf externe Einflussfaktoren und betriebliche Belastungsfaktoren. Die Vielfalt der externen Einfluss- und betrieblichen Belastungsfaktoren lässt bei Schmelzsicherungen eine generelle Angabe verlässlicher Lebensdauerwerte nicht zu. Der damit verbundene experimentelle Aufwand ist allenfalls für besonders kritische Anwendungsfälle zu rechtfertigen.

Lebensdauer von Schmelzsicherungen (speziell NH-Sicherungen)

Solange die o. a. Faktoren sich im Rahmen der Normbedingungen halten, „wird ohne weitere Einschränkung angenommen, dass die der vorliegenden Norm entsprechenden Sicherungen zufriedenstellend arbeiten“ (Zitat: VDE 0636-1). Die Sicherungsnorm VDE 0636-1 definiert den Bemessungsstrom Ir als den „Wert des Stromes, mit dem der Sicherungseinsatz unter den vorgeschriebenen Bedingungen ohne nachteilige Veränderungen dauernd belastet werden kann.“ Diese Aussage basiert auf jahrzehntelanger Erfahrung mit genormten Sicherungen und auf der Robustheit der Sicherungskonstruktion und der verwendeten Werkstoffe. Die allgemein verwendeten Schmelzleiterwerkstoffe Kupfer und Silber sind äußerst beständig gegen Oxidation und die Gehäusekeramik sowie der als Lichtbogenlöschmittel verwendete Quarzsand sind weitgehend immun gegen Alterung und versprechen eine praktisch unbegrenzte Lebensdauer unter den in der Norm definierten Bedingungen. Es gilt daher, die äußeren Einflussfaktoren und Belastungsgrenzen zu finden, welche die Sicherungen über die Normbedingungen hinaus oder abweichend zu diesen übermäßig beanspruchen und zu vorzeitigen Abschaltungen oder anderweitigem Fehlverhalten führen können. Bei genauer Kenntnis der Einsatzbedingungen und der betrieblichen Beanspruchungen kann für jede Anwendung eine Sicherung mit zufriedenstellender Lebensdauer ausgewählt werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Das könnte Sie auch interessieren

Dehn hat kürzlich sein Energiemanagement-System erfolgreich nach DIN EN ISO50001 zertifizieren lassen. Dazu beigetragen haben sowohl die systematische Bearbeitung des Themas Energie sowie zahlreiche Maßnahmen, die das Unternehmen in der Vergangenheit unternommen hat und die langfristig wirken. ‣ weiterlesen

Anzeige

Schritt für Schritt führt dieses Buch in die Grundlagen der fachgerechten Elektroinstallation ein. Aufgrund aktueller Änderungen in Normen und Bestimmungen wurde diese 10. Auflage neu bearbeitet und an den aktuellen Stand angepasst.‣ weiterlesen

Anzeige

Trotz des Impfstarts zu Jahresbeginn befindet sich Deutschland weiterhin im Lockdown; Perspektiven für eine langsame Öffnung lassen auf sich warten. Umso erfreulicher sind die Ergebnisse der traditionellen Frühjahrskonjunkturumfrage, die der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) in der Zeit zwischen dem 22. und 26. März 2021 durchführte und an der sich rund 1.200 Innungsbetriebe beteiligten. So liegt der Geschäftsklimaindex der E-Handwerke, ein zuverlässiger Indikator für die wirtschaftliche Situation der Branche, seit Herbst 2020 wieder stabil bei 80 Punkten (79,9). Vor einem Jahr, zu Beginn der Pandemie, war er kurzzeitig auf 55,6 Punkte eingebrochen – eine Folge des ersten Shutdowns im März 2020. Keine größeren Schwankungen gibt es auch hinsichtlich der aktuellen Geschäftssituation: 65,4% der im Rahmen der aktuellen Konjunkturumfrage befragten elektrohandwerklichen Unternehmen gaben an, die Geschäftssituation sei gut. Zum Vergleich: Vor einem Jahr, im März 2020, lag dieser Wert bei lediglich 30,1%, bevor sich die Situation im Mai 2020 wieder zu entspannen begann. Zur raschen Erholung hatte seinerzeit ganz wesentlich beigetragen, dass die E-Handwerke aufgrund des Antrags der elektrohandwerklichen Organisation vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) für systemrelevant erklärt worden waren. ‣ weiterlesen

Anzeige

Mit derzeit 40 Mitarbeitern ist die Firma Meurer-etechnik in Großmaischeid im nördlichen Rheinland-Pfalz ein eher mittelgroßer Schaltanlagenbauer. Wenn es allerdings darum geht, Zukunftssicherung durch die Einführung von Digitalisierungsmaßnahmen zu betreiben, zählt das Unternehmen seit rund fünf Jahren zu den Vorreitern. Der vorliegende Beitrag skizziert den bisher dabei zurückgelegten Weg und gibt einen Ausblick, welche Aufgaben sich der Betrieb bei diesem 'Work in Progress' noch auf die Fahnen geschrieben hat.‣ weiterlesen

Die EMV, die Ende März online stattfand, bewies ihre Rolle als maßgebende Größe der europäischen EMV-Industrie und -Wissenschaft. Knapp 1.000 Teilnehmer nutzten die vielfältigen Gelegenheiten, ihr Fachwissen zu erweitern und neue Kontakte zu knüpfen. „Mit der ‚EMV goes digital‘ sind wir dem großen Bedarf der EMV-Community nach Austausch und Weiterbildung nachgekommen“, so Anthula Parashoudi, Vice President, Mesago Messe Frankfurt. ‣ weiterlesen

Bild: VDE Verlag GmbH

Durch den Fortschritt der Technik ist das VDE-Vorschriftenwerk in den letzten Jahren sehr umfangreich geworden und selbst für den Fachmann nicht immer leicht zu verstehen. Allein im Bereich der DIN VDE0100 wurden nahezu alle Themen neu bearbeitet und einige Themen mussten zusätzlich aufgegriffen werden. Das Werk liegt nun in der 17. Auflage vor. Wie in früheren Auflagen werden die theoretischen Grundlagen und die Anforderungen aus Normen, vor allem aus dem Bereich der DIN VDE0100, anhand zahlreicher Beispiele praxisrelevant und verständlich erläutert. Im Laufe von mehr als 25 Jahren ist dieser Leitfaden unter dem Kürzel ‚Der Kiefer‘ zu einem Standardwerk geworden.

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige