Normenkonformität vorprüfen

Mit Industrie 4.0 und der Digitalisierung der produzierenden Industrie wachsen reale und virtuelle Welten zusammen. Das heißt auch: Jedes reale physische Produkt hat einen ‘digitalen Zwilling’, der ihn immer und überall begleitet. Er wird bereits mit der Produktidee geboren, dient bei der Fertigung als Vorlage, wächst danach im Produkt-Entstehungsprozess immer weiter mit an und bleibt über den gesamten Lebenszyklus untrennbar mit ihm verbunden. Allerdings stellt diese Entwicklung die Normung vor neue Herausforderungen.

Mit Blick auf Industrie 4.0 ist es sinnvoll, auch Normen in eine maschinell interpretierbare, formalisierte Form zu überführen, denn mithilfe dieser Vorgehensweise wird die Qualität der Normungserstellung und Anwendung wesentlich gesteigert. So kann ein intelligentes Softwaresystem in die Lage versetzt werden, technische Aspekte des digitalen Zwillings bereits während des Engineerings zu prüfen – mit dem Ziel, frühzeitig mögliche Probleme des Endprodukts zu erkennen und auszuschließen. Der digitale Zwilling wäre dann ‘gegen die Norm geprüft’, und der Begutachter müsste nur noch die Ausführungen prüfen, die am digitalen Zwilling nicht prüfbar waren. Wie dies realisiert werden kann, zeigte die vom VDE getragene Normungsorganisation DKE (Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik in DIN und VDE) in Kooperation mit Phoenix Contact, Rittal und Eplan anhand einer vereinfachten Demosoftwareversion auf der Hannover Messe 2016. Der neue Ansatz soll die automatisierte Auswertung von Normen wie zum Beispiel der Reihe DIN EN61439 (VDE0660-600) ermöglichen, die bisher noch darauf ausgelegt sind, dass das Endprodukt am Ende der Fertigung von einem Begutachter abgenommen wird. Um die Vision einer automatisierten Vorzertifizierung zu verwirklichen, ist eine enge Kooperation von Wissenschaft, Wirtschaft, Normung und Prüfhäusern erforderlich.

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