Verdrahtungssystem für Automobilwerk in China

1.200 Rahmen aus ‚Seenot‘ gerettet

Containerweise Rahmen für ein Verdrahtungssystem von Lütze innerhalb kürzester Zeit ins chinesische Werk des deutschen Automobilherstellers Volkswagen zu liefern – das ist schon eine Aufgabe. Zur echten Herausforderung wird es, wenn der Seeweg plötzlich dicht ist. Nur mit hohem Einsatz und viel Fortune ließen sich Termine halten.

Aufgrund der Insolvenz einer Reederei entstand ein Engpass für den Transport der Rahmen auf dem Seeweg. Als Folge waren alle Containerschiffe überbucht. In letzter Minute konnten noch sechs Container mit 600 Rahmen auf einem Schiff untergebracht werden. (Bild: ©vanbeets/istockphoto.com; Friedrich Lütze GmbH)

Mit dem Automobilhersteller aus Niedersachsen pflegt Lütze eine langjährige und enge Technologiepartnerschaft. Die Schaltschrank-Infrastruktur weiterzuentwickeln heißt das gemeinsame Ziel. Zudem ist Lütze im Konzern aus Wolfsburg als Lieferant für das energieeffiziente AirStream-Verdrahtungssystem gelistet. Damit steht das mittelständische Unternehmen in der Pflicht, das Produkt global zu sourcen: Wo immer auf der Welt VW ein neues Werk baut, müssen in relativ kurzer Zeit sehr viele AirStream-Rahmen direkt verfügbar sein.

Fahrzeugproduktion ab 2018

Aktuell gilt das für China, wo Volkswagen stark investiert. In Qingdao, einer Millionenstadt an der Ostküste, entsteht ein neues Werk. Die Fahrzeugproduktion soll dort ab 2018 anlaufen. Zwischen Herbst 2016 und Frühjahr 2017 werden vor Ort rund 1.200 AirStream-Rahmen erwartet. Und hier wird es spannend. Denn auf dem üblichen Seeweg herrscht heftiger Gegenwind: Nachdem die siebtgrößte Containerschiff-Reederei der Welt Insolvenz anmeldete, fehlt die Frachtkapazität von 80 Schiffen und 500.000 Standardcontainern. Durch den Untergang der südkoreanischen Hanjin-Reederei waren schlagartig alle anderen Containerschiffe überbucht. Lütze lief also Gefahr, mit der Lieferung in Verzug zu kommen. Nahezu unmöglich erschien es, die zahlreichen Container termingerecht nach China zu bekommen.

 Um den Ad-hoc-Bedarf des Automobilherstellers im chinesischen Werk zu decken, blieb nur die Luftfracht als Transportmittel. (Bild: ?vanbeets/istockphoto.com; Friedrich L?tze GmbH)

Um den Ad-hoc-Bedarf des Automobilherstellers im chinesischen Werk zu decken, blieb nur die Luftfracht als Transportmittel. (Bild: ©vanbeets/istockphoto.com; Friedrich Lütze GmbH)

Luftfracht als schnellste Lösung

Um den ersten Ad-hoc-Bedarf in Qingdao zu bedienen, blieb nur ein Weg: Luftfracht. So schickte Lütze 80 Europaletten mit AirStream-Rahmen auf dem Luftweg nach China. Leicht auszurechnen, dass dies der denkbar kostspieligste Weg für großformatige Artikel war – aber eben auch der schnellste. Damit war nur der dringlichste Teil des Frachtproblems gelöst. Wie bringt man den weitaus größeren Anteil an AirStream-Rahmen vom Schwäbischen Weinstadt ins Ostchinesische Meer? Zumal weitere Engpässe die Lage zuspitzten: So hatte der Pilotenstreik bei Lufthansa auch das Cargo-Geschäft ausgebremst. Dann zieht die Jahresend-Rallye im Speditionsgeschäft mächtig an. Und in China naht das Neujahrsfest, was auch im Shanghaier Hafen für eine Woche Stillstand sorgt. Um wenigstens eine weitere Charge vor dieser Zwangspause nach China zu bringen, zog man in der Versandabteilung von Lütze weltweit alle Strippen. Und tatsächlich konnte Peter Jurczyk, Leiter Einkauf und Logistik bei Lütze, mit guten Kontakten und Fortune in letzter Minute noch sechs Container auf ein Schiff quetschen. Damit waren Mitte Dezember rund 600 AirStream-Rahmen auf dem Weg, rechtzeitig eintreffend vor Chinese New Year. Weitere drei Container gingen kurz vor Jahresende raus. Anschließend folgen kontinuierlich pro Monat ein bis zwei FEU (die Abkürzung für Forty-foot Equivalent Unit, also einen Standardcontainer von 40 Fuß Länge und acht Fuß Breite).

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