Fachkonferenz Steuerungs- und Schaltanlagenbau im Wandel

Wie viele andere Lebensbereiche, so berührt die fortschreitende Digitalisierung auch den Steuerungs- und Schaltanlagenbau in ganz erheblichem Maße. Im Rahmen einer zweitägigen, vom Süddeutschen Verlag Veranstaltungen in Kooperation mit dem SCHALTSCHRANKBAU ins Leben gerufenen Fachkonferenz in Frankfurt am Main, erörterten Experten aus Forschung, Wirtschaft und Schaltanlagenbau die Auswirkungen dieser einschneidenden Entwicklungen.

 (Bild: TeDo Verlag GmbH)

Geballte Informationen und Expertenaustausch über zwei Tage bot die Fachkonferenz ‚Steuerungs- und Schaltanlagenbau im Wandel‘ in Frankfurt am Main. (Bild: TeDo Verlag GmbH)

Aufgeteilt war die Fachkonferenz in die fünf großen Themenblöcke ‚Neue Herausforderungen für den Schaltschrankbau 4.0‘, ‚Planungstools und Datenmanagement‘, ‚Blitz- und Überspannungsschutz‘, ‚Retrofit bestehender Schaltanlagen/Best Practice‘ sowie ‚Normen und Standards weltweit‘. Die richtige Einstimmung für die von Rüdiger Eikmeier, Leiter der Geschäftsstelle des Bundesverbands Deutscher Schaltanlagenhersteller (kurz BDSAH), moderierten Veranstaltung gab Florian Eger, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Steuerungstechnik der Werkzeugmaschinen und Fertigungseinrichtungen (ISW) an der Universität Stuttgart. Das ISW hat kürzlich eine Studie durchgeführt, die analysiert, wie die Produktion von Schaltanlagen im Zeitalter von Industrie 4.0 aussehen kann (siehe auch SCHALTSCHRANKBAU April-Ausgabe 2017, Seite 58ff.). Nach genauer Betrachtung der einzelnen Produktionsschritte widmeten sich die Forscher dem Thema, wie bei Fertigung und Montage die größtmöglichen Einsparpotenziale erzielt werden können. Ganz vorne steht dabei die Vorkonfektionierung von Klemmleisten und Drähten, gefolgt von einem höheren Standardisierungsgrad und der digitalen Dokumentenverwaltung. Unmittelbar im Anschluss daran gab Jan-Henry Schall, Leiter des Rittal Innovation Center im hessischen Haiger, einen Einblick, wie sich im intelligenten Zusammenspiel von Hard- und Software für den Schaltanlagenbauer heute Effizienzmöglichkeiten erschließen lassen. Thomas Hagemann und Reinhard H. Agnesens von der Firma Blumenbecker erläuterten daraufhin, welche zukunftsweisenden Technologien sie in ihrer Schaltanlagenfertigung seit knapp drei Jahren bereits implementiert haben und wie die weiteren Schritte aussehen werden. Dass beim Thema Industrie 4.0 Effizienzsteigerungen nicht nur für Schaltanlagenbauer ab einer bestimmten Losgröße realisiert werden können, machten Robert Joppen vom Fraunhofer IEM sowie Uwe Friedrichs und Heinz-Dieter Finke von Schaltanlagenbau H. Westermann deutlich, die in ihrem Vortrag die Vorteile der Digitalisierung speziell für KMU fokussierten.

‚Klassiker‘ kamen nicht zu kurz

War Industrie 4.0 das Hauptthema der Veranstaltung, so kamen Dauerbrenner-themen keineswegs zu kurz. Eines davon sind die neuen Anforderungen der DIN VDE0100-535 bzw. -443 zum Blitz- und Überspannungsschutz. Bernd Leibig von Dehn + Söhne ging auf Einsatzfälle ein, bei denen sich die Installation von Überspannungsschutzgeräten (SPD) lohnt. Steffen Vree von der Firma Sedotec führte den Anwesenden eindrucksvoll vor Augen, welche Auswirkungen Störlichtbögen nicht nur auf Schaltanlagen, sondern vor allem auch auf das Bedienpersonal haben können und welche Schutzmaßnahmen möglich sind. Einen vielbeachteten Vortrag hielt auch Prof. Dr. Thomas Gräf von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin, der seine Analyse zu einer betriebsgealterten Schaltanlage vorstellte und dabei u.a. thematisierte, in welchen Fällen Schaltanlagen so unsicher werden, dass ein Retrofit notwendig wird, welche Normen dann greifen und ob diese ggf. Lücken aufweisen. Und wie ist eine normgerechte Prüfung praktisch durchführbar? Darüber referierte unter anderem Michael Roick von Gossen Metrawatt, der dem Auditorium die Komplexität einer normgerechten Prüfung nach DIN EN60204 und DIN EN61436 eindrucksvoll näher brachte.

Zufriedene Teilnehmer

Rundum zufrieden zeigten sich am Ende des zweiten Tages die Schaltanlagenbauer unter den Konferenzteilnehmern. „Thematisch war alles abgedeckt, was für meine täglichen Aufgaben heute relevant ist.“, bemerkte Sebastian Zorn von der Firma EAS Schaltanlagen aus Grünsfeld. „In unserem Unternehmen haben wir bereits die ersten Schritte im Hinblick auf eine Industrie-4.0-gerechte Fertigung von Schaltanlagen getan. Umso wichtiger war es für mich hier zu erfahren, wo weiteres Optimierungspotenzial liegt. Dies sehe ich zuallererst in einem richtigen Datenmanagement. Einmal sind wir als Schaltanlagenbauer natürlich ganz erheblich von möglichst dezidierten Daten abhängig, die wir sowohl von unseren Kunden hinsichtlich deren Anforderungen, aber auch von unseren Lieferanten in Bezug auf deren Komponenten erhalten. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, können wir im Gegenzug unseren Kunden Anlagen mit einer umfangreichen Dokumentation ausliefern, die diese dann wiederum für Wartung und Instandhaltung nutzen können.“, so Zorn weiter. Martin Fauth, Geschäftsführer bei Weigert Elektronik aus Bückeburg, brachte in seinem Fazit noch einen weiteren Aspekt ins Spiel: „Auch im Schaltanlagenbau gibt es heute keine Insellösungen mehr. Insofern ist, neben den sicherlich sehr interessanten Vorträgen, der Erfahrungsaustausch mit den Kollegen für mich mit das Wichtigste an dieser Fachkonferenz. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir die Herausforderungen der Zukunft nur gemeinsam angehen können und wünsche mir, dass ein solcher Austausch häufiger stattfinden könnte.“ In die gleiche Kerbe schlug Stephan Rabsch von ATR Industrie-Elektronik aus Krefeld: „Industrie 4.0, Optimierung von Fertigungsprozessen, konsistente Datenpflege – all dies sind Themen, die im Gespräch mit Kollegen erst mit Leben erfüllt werden. Insofern wäre es doch toll, wenn es so etwas wie einen ‚Schaltanlagenbauer-Stammtisch‘ geben würde.“ Damit ein Austausch zumindest einmal im Jahr gewährleistet ist, wird die Fachkonferenz 2018 zum zweiten Mal stattfinden.

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