Neue Anforderungen für die Hauptleitungsabzweigklemme im Zählerschrank

Anpassungen in drei Bereichen

Nach einer zweijährigen Übergangsfrist ist die VDE-Norm DIN VDE0603-3-1 seit September in Kraft. Sie legt neue Kriterien für die Beschaffenheit der Hauptleitungsabzweigklemme (HLAK) im Zählerschrank fest. Für Planer und Installateure spielen die neuen Vorgaben bei der Wahl der Verbindungskomponenten für den Hauptzähleranschluss eine wichtige Rolle.

Die im September in Kraft getretene VDENorm DIN VDE0603-3-1 legt neue Kriterien für die Beschaffenheit der Hauptleitungsabzweigklemme (HLAK) im Zählerschrank fest. (Bild: Hora Etec GmbH)

Ob in Wohnhäusern, Schulen, Verwaltungs- oder auch Bürogebäuden: In nahezu jedem Zählerschrank des privaten und öffentlichen Lebens kommen sie zum Einsatz. Hauptleitungsabzweigklemmen sind die Schnittstelle zwischen dem öffentlichen Netz und dem für jedes EVU maßgeblichen Stromzähler im gebäudeseitigen Zählerschrank. Letztmals hatte sich der VDE mit einer Normung für die Hauptleitungsabzweigklemme noch in den 1990er-Jahren beschäftigt. Seitdem galt die DIN VDE0603-2 (VDE0603-2):1998-0. Steigender Anforderungen an die Hauptleitungsabzweigklemmen im Zählerschrank hinsichtlich Strombelastbarkeit und Widerstandfähigkeit veranlassten den Verband zu einer Aktualisierung. Schon im September 2018 trat die neue DIN VDE0603-3-1 in Kraft – allerdings noch mit einer zweijährigen Übergangsfrist für die Umstellung auf die neuen Klemmenvorgaben. Erst seit diesem September ist die Norm für alle Zählerschränke verpflichtend. Durch die coronabedingten Verzögerungen im Markt herrscht aktuell akuter Handlungsdruck in der Branche, neue Zählerschränke auf die nach der neuen VDE-Norm konformen Hauptleitungsabzweigklemmen umzustellen.

Verschärfte Anforderungen an HLAK in drei Bereichen

Die neue VDE-Norm DIN VDE0603-3-1 wurde grundlegend überarbeitet und neu strukturiert. Grundsätzlich gilt sie für alle Zählerplätze der Haus- und Gebäudeinstallationstechnik, die mit Hauptleitungsabzweigklemmen für Kupferleiter ausgestattet werden und die zur Aufnahme von Betriebsmitteln für die Energieübertragung, -verteilung und -messung in elektrischen Anlagen für Gewerbe- und Hausinstallationen sowohl im Innen- als auch Außenbereich dienen. Für HLAK bis zu einer Bemessungsspannung von 400V AC und Nennquerschnitten von bis zu 70mm² sind dabei verschärfte Vorgaben für ihre Beschaffenheit verpflichtend. Im Vergleich zu den bisherigen Vorgaben schreibt die neue Norm speziell in drei Bereichen notwendige Anpassungen vor:

  • • Spannungsfestigkeit
  • •  Kriechstromfestigkeit
  • •  Korrosionsschutz

Die Verschärfungen dienen dabei einem Ziel: Im bestimmungsgemäßen Gebrauch soll durch die Hauptleitungsabzweigklemmen keine Gefahr für Personen und Sachen ausgehen. Elektrische, thermische oder mechanische Beanspruchungen spielen bei der Herstellung der Klemmen eine große Rolle. Alle Teile der Klemmstellen, die Ströme leiten, müssen aus Metall bestehen. Diese wiederum müssen eine ausreichende mechanische Festigkeit besitzen, Korrosion widerstehen und für eine sichere Klemmverbindung sorgen.

 Die Norm schreibt dabei vor allem Anpassungen in den Bereichen Spannungsfestigkeit, Kriechstromfestigkeit sowie Korrosionsschutz vor. (Bild: HORA eTec GmbH)

Die Norm schreibt dabei vor allem Anpassungen in den Bereichen Spannungsfestigkeit, Kriechstromfestigkeit sowie Korrosionsschutz vor. (Bild: Hora eTec GmbH)

 Durch die umfassenden Zertifizierungen der HLAK-Serie von Hora Etec eignet sich diese nicht nur für den Zähleranschluss, sondern z.B. auch für den Einsatz in Baustellenverteilern. (Bild: HORA eTec GmbH)

Durch die umfassenden Zertifizierungen der HLAK-Serie von Hora Etec eignet sich diese nicht nur für den Zähleranschluss, sondern z.B. auch für den Einsatz in Baustellenverteilern. (Bild: Hora eTec GmbH)

Hochstrombelastung bis 3.000 Volt verpflichtend

Um keine thermischen Gefährdungen einzugehen, werden die Klemmen einer Prüfung unterzogen. Bisher mussten Hersteller hinsichtlich der Spannungsfestigkeit eine Hochspannungsprüfung von 2.500 Volt nachweisen. Ab sofort muss diese mit 3.000 Volt erfolgreich bestanden sein. HLAK müssen zudem eine höhere Kriechstromfestigkeit aufweisen. Diese Vorgabe schlägt sich in einer optimierten Beschaffenheit der Isoliergehäuse aus Kunststoff nieder. Diese müssen heute einen deutlich höheren sogenannten CTI-Wert erreichen. Zum Schluss spielt aufgrund steigender Anforderungen an die HLAK auch ein erhöhter Korrosionsschutz eine Rolle. Diese müssen Hersteller nun auch für die eingesetzten Stahlschrauben per VDE-Zertifikat nachweisen.

 

Interview mit Ewald Voß, Produktmanager Elektrische Komponenten bei Hora Etec

„Wir haben aktuell einen Vorsprung“

Ewald Voß: „Im Rahmen der aufkommenden Diskussionen um die Verschärfung der HLAK-Vorgaben haben wir unsere Klemmen frühzeitig anhand höherer Anforderungen ausgelegt.“ (Bild: Hora eTec GmbH)

Bereits seit 2018 erfüllen die Hauptleitungsabzweigklemmen von Hora Etec die Vorgaben der neuen VDE-Norm DIN VDE0603-3-1. Ewald Voß, Produktmanager Elektrische Komponenten, erklärt im Interview, worauf es für Planer ankommt und wie sie den Zählerschrank weiter optimieren.

Die Frage nach dem VDE-Zertifikat für HLAK wird bei den Kunden der Hersteller immer lauter. Wie haben Sie es geschafft, Ihr Portfolio so schnell umzustellen?

Ewald Voß: Unsere Hauptleitungsabzweigklemmen eignen sich sowohl für Aluminium- als auch Kupferleiter. Bei der Entwicklung haben wir frühzeitig einen umfassenden Zertifizierungsprozess national wie international angestoßen. Im Rahmen der aufkommenden Diskussionen um die Verschärfung der HLAK-Vorgaben haben wir unsere Klemmen frühzeitig anhand höherer Anforderungen ausgelegt. Dadurch haben wir aktuell einen Vorsprung und sind schon jetzt kurzfristig lieferfähig.

Was bedeutet das konkret für Ihre HLAK?

Voß: Wir erfüllen die VDE-Vorgaben zu 100 Prozent und unsere HLAK-Serie geht sogar über das vorgeschriebene Niveau hinaus. Dadurch sind EVU, Planer und Installateure bereits jetzt zukunftssicherer aufgestellt. Sie erfüllen beispielsweise eine zusätzliche Erwärmungsprüfung mit 101A sowie eine Hochspannungsprüfung mit 3.500V für die Bemessungsbetriebsspannung 1.000V AC/DC. Die Gehäuse weisen einen dreimal höheren CTI-Wert auf als vorgeschrieben. Zudem verfügen die Schrauben über einen hohen Korrosionsschutz und sind RoHS konform.

Vor welchen Herausforderungen steht der Schaltschrankbau in Zukunft noch?

Voß: Die vereinfachte Konfiguration von Schaltschränken und die Effizienzsteigerung bei der Installation vor allem hinsichtlich Zeit stehen weiter im Fokus. Hier spielen Komponenten wie unsere HLAK eine wichtige Rolle. Sie erfüllen nicht nur die Vorgaben der neuen VDE-Norm DIN VDE0603-3-1, sondern sind zusätzlich auch nach IEC60947-7-1, UL-1059, CSA C22.2 No.158-10, FIMCO IEC 61238-1 (Class A) und EAC zertifiziert. Dank ihrer kompakten, robusten und zugleich ergonomischen Bauweise sind die Klemmen mit nur einer Teilungseinheit von 17,8mm besonders platzsparend. Zudem sind sie beliebig anreihbar, miteinander kombinierbar sowie horizontal und vertikal montierbar. Das verschafft Planern größtmögliche Flexibilität. Installateure profitieren dank des offenen Klemmenraums sowie der durchgehend fingersicheren Ausführungen von kurzen Montagezeiten. Drehmomentverluste werden durch den Verzicht auf sogenannte Bremsschrauben vermieden.

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